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Europameisterin, FEI Rider of the Year und Winner of the Damara Safari Race – Ingrid Klimke ist einfach unschlagbar

von Katharina

Nachdem unser letztjähriger Trip in die Wüste uns alle so tief beeindruckt hat, hatten wir noch vor Ort beschlossen, im nächsten Jahr wiederzukommen. Selbes Team, andere Route aber die „normale“ Länge von 11 Tagen, um die Großartigkeit des Rittes in voller Länge auskosten zu können.

Gesagt getan, machen sich Team Süd-Ost, Süd-West und Mitteldeutschland auf den Weg Richtung Frankfurt um gemeinsam nach Windhoek zu fliegen.

Ich bin guter Dinge, ich habe die Zugfahrt mit 2 Freundinnen geplant, deren Karma eher im schlechten Wetter liegt und auf keinen Fall in der Unpünktlichkeit, so dass ich mir sicher bin dieses Mal ohne Zwischenfälle in Frankfurt anzukommen.
Ich fahre also pünktlich in Reutlingen los, ich habe die schnelle Verbindung ohne Zwischenhalt gewählt, sicher ist sicher, und schaue dem ICE nach Frankfurt ungläubig zu, wie er ohne mich gemächlich aus dem Bahnhof in Stuttgart rollt…. Selbstverständlich mit meinen zwei Mädels an Bord…. Ganz ehrlich, ich nehm‘ das langsam persönlich. Das kann doch nicht ernsthaft wahr sein? Wir hatten kein einziges Mal angehalten und trotzdem 15 Minuten verbummelt. Wo ist denn der bitte lang gefahren?? Selbstverständlich hat der nächste ICE (eine Stunde später) ebenfalls Verspätung, so dass ich den Anschluss in Mannheim ebenfalls verpasse und letztendlich anstatt um 15 Uhr um 17.15 Uhr in Frankfurt ankomme.
Am Gate werde ich von einem bärtigen Mann in Englisch angesprochen und ich frage mich, was er von mir will. Wo wir solange bleiben, er warte schon ewig…. Kennt ihr das, wenn ihr jemanden in einer Umgebung trefft, wo derjenige überhaupt nicht hingehört? Und du nur denkst „Wer zum Henker bist du? Und was willst du von mir?“ Es ist Henning, Barbaras Mann und Mitbesitzer von Namibia Horse Safari. Nachdem er in Europa unterwegs war, hatte er beschlossen mit uns zurück nach Namibia zu fliegen. Er lacht sich kaputt über mein Gesicht und ich freu‘ mich tierisch ihn zu sehen!

 

 

 

 

Selbstverständlich hat der Flieger eine Stunde Verspätung, keine Ahnung warum. Eins ist aber so klar wie Klossbrühe, wenn ich so weiter mache, will mit mir bald keiner mehr verreisen.
Wenigstens kommt von allen das Gepäck an, das hatten wir ja auch schon anders.
Am Flughafen in Windhoek treffen wir dann auch Andrew und schon gehts los Richtung Swakopmund.

Nach einer kurzen Runde chillen, treffen wir uns abends alle zum Briefing und auf unseren ersten Gin Tonic. Hach schmeckt der gut!

Es folgt die übliche Vorstellungs- und Pferdewunschrunde – meine kleine Polca von letztem Jahr ist leider in Rente und so wird Jubela mein Paparazzi-Pony werden. Ich bin schon sehr gespannt auf ihn.

Zum Dinner gehts runter ans Meer zu frischgefangenem Fisch und anderen Leckereien. Da in Namibia viele Menschen reiten und auch deutschen Hintergrund haben, dauert es natürlich nicht lange bis jemand Ingrid erkennt und nach einem Autogramm fragt. Ich denke in der Wüste wird das dann weniger das Problem sein.

Am nächsten Morgen hängen alle nochmal wie die Junkies am Handy, die nächsten 9 Tage werden wir keine Verbindung mehr haben. Und dann starten wir mit dem Auto Richtung Norden und Skeleton Coast. Immer geradeaus… so geradeaus, dass mir nicht mal schlecht wird, wenn ich ein Buch lese… das will was heißen!
Unterwegs machen wir Halt am Cape Cross Seal Reserve – einem riesigen Robbenreservat. Bis zu 250.000 Robben können hier angetroffen werden.
November ist Babyzeit und wir erleben tatsächlich mehrere Robbengeburten!
Es ist allerdings nichts für Zimperlieschens hier – abgesehen vom abartigen Gestank, gehen Robbenmütter nicht gerade liebevoll mit ihren Babies um. Zudem kommt es bei der Menge an Tieren zum einen oder anderen Tod, was den Geruch selbstverständlich nicht besser macht und auch die Ignoranz der lebenden Tiere gegenüber den verendeten Tieren ist schon eher schockierend.

Zur Mittagszeit kommen wir dann im Camp St Nowhere an – der Name ist Programm, hier ist außer dem Camp gar nix, so überhaupt nix. Außer unseren Pferden, die warten in einem großen Paddock auf uns. Und die wollen aber auch nix von uns wissen.

Das restliche Team ist ebenfalls hier.
Rayne – sie kocht für uns unfassbar leckere Mahlzeiten
Collin & Nelson sind wieder mit von der Partie und sorgen für alle anderen Annehmlichkeiten (Schlafen, Duschen, sonstiges)
Telané sorgt wieder für das Pferdewohl
Nur Phoebe ist nicht mehr mit dabei, sie hat es zurück in die Heimat nach Australien und zu ihrer Familie gezogen.
Außerdem ist Barbara wieder mit von der Partie sowie Henning, ihr Mann, und Jac, ihr ältester Sohn (er ist aber erst 13 Jahre alt).

Nach einem leckeren Mittagessen bekommen wir unsere Pferde zugeteilt und versuchen sie mehr oder weniger erfolgreich vom Paddock einzufangen.
Dann wird gesattelt und los geht’s! Und zwar erst mal ans Meer. Namibia ist schon irre, da ist dieser Wahnsinnsozean mit seinem vielen Wasser und doch ist es eins der trockensten Länder der Erde und man kann das Wasser nur nutzen, wenn man es aufwendig entsalzt.

Unser Weg führt uns nach kurzer Zeit ins Landesinnere zu unserem ersten Camp für die Nacht.
Es windet so krass, dass uns fast die Pferde davon fliegen – zum Glück können wir sie an der Picket Line festbinden 😉
Die erste Nacht ist grandios, wir Wiederholer freuen uns schon so irre auf dieses abnormal gemütliche Bett, wir würden am liebsten gleich schlafen gehen. Man muss das echt mal selbst erlebt haben, selbst bei frischem Wind ist es einfach so unfassbar kuschelig, zum Durchdrehen.

Am nächsten Tag geht unser Ritt dann so richtig los – wir starten jeden Tag gegen 8 Uhr und reiten zwischen 30 und 40 km, aufgeteilt auf 2 Etappen. Die längere Strecke reiten wir meist Vormittags, unterbrochen von einer kleinen Pause.
Zum Mittag treffen wir dann wieder die Versorgungsfahrzeuge und Mensch und Tier bekommen Essen und Trinken und ein wenig Ruhe – tatsächlich legen die Pferde sich in der Mittagspause an der Picket Line für ein Nickerchen auch gerne hin und schlafen. Wir dagegen hängen eher unelegant im Stuhl. Beweisfotos sind selbstverständlich unter strengem Verschluss 😉

Meist sind wir dann gegen 17 Uhr im Camp für die Nacht, wo wir zuerst unsere Pferde versorgen, sprich absatteln, wälzen lassen, tränken, füttern und putzen. Danach gibt’s auch für uns Zweibeiner was zu trinken und ein paar kleine Snacks und dann, ja dann, geht die Jagd auf die Dusche los. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie toll 20 Liter warmes Wasser nach einem langen Ritt in der Wüste sein können.
Das Abendprogramm ist daher eher stressig und will wohl geplant sein, Zeitoptimierung ist hier angesagt – wer zulange trödelt, ein Bier mehr als die anderen trinkt, der muss im Dunkeln duschen oder Katzenwäsche machen 😉
Da´s dann aber eh dunkel ist, fällt es keinem auf, wenn man nicht geduscht hat und die riechbaren Beweise übertüncht der Geruch vom Lagerfeuer.

 

 

 

 

Unser Weg führt uns 9 Tage lang durch die wunderschönste Landschaft mit den bizarrsten Felsformationen, durch das Flussbett des Ugab Rivers, lange Zeit haben wir den Brandberg – Namibias höchsten Berg – im Blick, wir reiten durch Gegenden wo wahrscheinlich noch nie ein Mensch entlang gekommen ist.
Andrew orientiert sich lediglich an Koordinaten und seinem GPS – in der Wüste funktioniert das prima, wenn du aber in einem Flussbett bist und da wieder raus musst, dann ist Telané mit der Karte und dem Auto doch ganz hilfreich – an der ein oder anderen Stelle fährt sie voraus und schaut, ob wir durchkommen (könnten). Im Grunde folgen wir in solchen Fällen den Wildpfaden der Wildtiere.

Im Ugab Flussbett leben etwa 150 Löwen, Elefanten, Nashörner, Zebras und noch so einiges andere.
Entsprechend spannend ist es dann auch, als wir den Fluss (nicht dass wir uns missverstehen – der Fluss hat so gut wie nie Wasser, ich spreche also von einem trockenen Flussbett) durch hohes Schilf queren müssen und man natürlich nicht so genau weiß, was da in dem Schilf so alles drin sitzt.
Naja, wir haben uns ja Abenteuer im Sattel auf die Fahne geschrieben, also keine Beschwerden bitte.
Da es in dem Teil in dem wir reiten aber unglaublich trocken ist, kann Andrew uns etwas beruhigen – die Tiere sind mehr Richtung Flussmündung gewandert, weil dort noch ein mini bisschen Vegetation ist. Wir kommen also unbeschadet auf die andere Seite und freuen uns über Nashorn- und Elefanten-Köttel, immer in der Hoffnung, dass wir vielleicht doch noch das ein oder andere Tierchen sehen. Ich kann es aber schon mal vorweg nehmen – außer Barbara, die bei der Nachtwache ein Leopardenweibchen verscheucht, sehen wir keine Tiere. Das ist aber auch nicht schlimm, die Natur ist so krass, dass Tiere nur noch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen wären.

Wie auch schon in der Namib, ist die Landschaft im Damaraland so unglaublich vielfältig und ändert sich eigentlich alle paar Kilometer. Vom schilfigen Flussbett, über raue Canyons mit den bizarrsten Felsformationen, über Gegenden in den es aussieht, als hätte ein Riese hier seine private Schutthalde bis hin zu weiten Ebenen die – wie könnte es auch anders sein – zu einfach nur geilen (sorry!) Galoppaden einladen.
Vom gesitteten Canter über Cavalry Charge (alle reiten Schritt, Trab, Galopp in einer Reihe, dann gibt Andrew das Zeichen und alle düsen los so schnell sie können, wichtig dabei ist, dass man laut juchzt und lacht und Spass hat), ein paar richtig schnellen Flatouts bis hin zum Damara Safari Race in einem Flussarm des Ugabs. Ich sags euch, wenn man da mal genauer drüber nachdenkt, ist das schon echt verrückt. Da ist einfach gar nichts und niemand, da war vermutlich auch noch nie jemand – Autospuren sieht man in dem Terrain noch Jahre später, da sind aber keine – und wir machen auf dem perfektesten Boden den man sich so vorstellen kann, ein Rennen. Die Pferde gehen ab wie Schnitzel, wer gewinnt könnt ihr euch ja denken. Ingrids Stute Keyla ist eine Trakehnerstute und soooo krass schnell, haha, da treibts selbst der Ingrid die Tränen in die Augen vom Fahrtwind.

Sie wechselt später dann noch auf einen von Barbaras Arabern, der ist auch mal ultra schnell.
Karla Kolumna , also ich, ist natürlich immer am Start mit Bildern und Videos und während abends am Feuer alle die Schnelligkeit des Arabers bewundern, der alle anderen abhängt, schmunzel ich still in mich rein – es fällt keinem auf, dass die Videos und Bilder immer von der Seite sind….
Leute ich sags euch, Polca hat einen würdigen Nachfolger bekommen. Ich hab den kleinen Jubela am Anfang wirklich unterschätzt, klein und weiß, etwas gedrungen kam er da um´s Eck, eher unscheinbar. Bis ich das erste Mal „Küsschen“ (kennt ihr, oder? Nicht Schnalzen, sondern das andere, wie wenn man halt jemand nen dicken Schmatzer gibt.) gemacht hab. Heidewitzka, da hat´s mich fast hinten runter genommen, so hat der einen Antritt. Der wird von Tag zu Tag schneller und hat hier draußen in der Wüste einen Job zu erledigen, der macht keine Gefangenen, das sag ich euch. Was für ein Pferd! Was für eine Ehre so einen Wüstenprofessor reiten zu dürfen!

Jetzt liest sich das ja schon so, als ob wir die ganze Zeit wie bekloppt durch die Wüste ballern, stimmt natürlich nicht! Die meisten Galoppaden sind gesittet und „don´t overtake the guide“. Und wer nicht losballern will, muss das auch nicht tun. Die Pferde sind so mega gut erzogen, dass du jeden ohne Probleme zurückhalten kannst, wenn du nicht schnell galoppieren willst.
Und dann wird zwischendurch natürlich auch viel Schritt geritten – weil es zum Beispiel sooooo bergab geht, dass die Pferde fast auf dem Popo runterrutschen, aber auch da, trittsicherer geht’s nimmer.

Je näher das Ende unseres Rittes kommt, desto näher kommen wir auch wieder dem Meer und irgendwann ist es einfach da! Wie schon zu Beginn ist es riesig, rau und imposant – warum sollte sich das auch geändert haben 😉 Wir lassen uns eine Sanddüne runterrutschen, so dass wir direkt am Strand reiten können.

Klar, dass jeder erstmal versucht ins Wasser zu kommen – Jac schafft es als erster, nur leider ohne sein Pferd 😀 als die Welle Rexi an die Beine platscht, macht der nen australischen Abgang – in Känguruhmanier hüpft er davon, aber Jac nimmts gelassen und krabbelt tapfer wieder rauf auf sein Pony.

Der Strand ist so gut wie leer, ein paar Angler, ein paar Robben und perfekter Boden zum reiten. So ein Strandritt hat einfach auch was, das kann man echt nicht leugnen. Wie ein geiler Sandplatz nur in riesig.

Unser Ziel ist Henties Bay, ein kleiner Ort 70km nördlich von Swakopmund. Im örtlichen Reitverein satteln wir zum letzten Mal unsere Pferde ab, hängen ihnen zum letzten Mal ihre Futterbeutel um und streicheln ihnen zum letzten Mal über ihre Zuckerschnütchen.
Die Pferde chillen jetzt erst mal ne Runde und fahren dann morgen ganz früh Richtung Windhoek zu Andrew auf die Farm, von wo aus sie in eine wohlverdiente, mehrmonatige Sommerpause gehen.

Und wir verbringen die letzte Nacht in einem endgeilen Strandhaus! Das ist so mega, dass wir uns in unserer staubigen Wüstenkluft total fehl am Platz fühlen und erst mal duschen gehen.
Und Rayne ist mit soviel Küche und Küchengeräten auch total überfordert, sie legt erst mal den Geschirrspüler lahm.

Der letzte Abend ist fröhlich, ausgelassen, melancholisch, einfach alles zugleich. Ich habe mich noch mehr in dieses unwirtliche Land verliebt, das Team um Andrew ist zu Freunden geworden, die Pferde verdienen einfach nur meinen allertiefsten Respekt und dieser Ritt hat mir wieder mal vor Augen geführt mit wie wenig man eigentlich auskommen kann und wie frei man sich fühlt, wenn man für 10 Tage mal all den 1. Welt Luxus hinter sich lassen kann.

Nachtrag: 3 Tage nach unserer Abreise hat es nach 9 langen Jahren endlich mal wieder richtig geregnet in Namibia. Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten ist nicht vorbei, aber durchbrochen und 2020 wird allen Besuchern und Bewohnern ein grünes Namibia bescheren. Ein Erlebnis was es so oft nicht gibt. Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

Hier geht´s zum Damara Elephant Trail
Hier geht´s zum Namib Wüstenritt
Hier geht´s zur Desert Canyon Safari
Hier geht´s zur Wild Horses Safari

und wer nicht soviel Zeit hat, kann den Wüstenritt Kompakt in einer Woche machen

Detox vom Feinsten oder wie Rainer es in die Umkleidekabine der Frauen-Nationalmannschaft geschafft hat

von Katharina

Schon wieder ist ein Jahr um und unsere jährliche Reise mit Ingrid Klimke steht kurz bevor. Seit Wochen bekomme ich beim Gedanken an diese Reise das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht – der Namib Wüstenritt steht schon sehr lange ganz oben auf meiner Wunschliste. Viel Zeit zum Aufgeregt sein habe ich dieses Mal nicht, wir fliegen direkt nach den German Masters, so dass vorab noch einiges an Arbeit zu bewältigen ist. Und doch braucht dieser Ritt ein bisschen mehr Vorbereitung, da wir 5 Tage lang ohne Strom sein werden – ich brauche also ausreichend „Saft“ für meine Kamera.

Was meine Wetterangst angeht, verlagert die sich dieses Mal in die andere Richtung – ich hoffe auf Regen oder zumindest eine kleine Kaltfront, nur eine klitzekleine, die die 45 Grad der vergangenen Woche vertreibt…

Aber fangen wir von vorne an. Es ist kaum zu glauben, aber wir kommen ohne jegliche Verzögerung in Frankfurt am Flughafen an! Ich kann es kaum fassen, meine Pechsträhne und die ewige Rennerei von einem verspäteten Zug auf den anderen ist vorbei (ich hatte schon ernsthaft über Lauftraining nachgedacht), ich bin aus dem Hamsterrad ausgebrochen, jetzt fängt ein neues Leben an! Ein neues Lebensgefühl!! Eine neue Ära!!!

Jap, allerdings, und zwar eine in geliehenen Klamotten… womit ich in meiner Euphorie natürlich nicht gerechnet habe, ist, dass auch ein Flieger Verspätung haben kann… Nicht beim Abflug! Nein nein, da war ich noch guter Dinge! Aber irgendwo da oben in der Luft, da muss entweder ne Umleitung gewesen sein oder Stau oder der Pilot hat unterwegs ein Schwätzchen gehalten, was auch immer, wir kommen auf jeden Fall ultra spät in Johannesburg an und – richtig – wir rennen mal wieder. Leider umsonst, dem Bodenpersonal ist es lieber wir bleiben bei unserem Gepäck, welches noch in der Maschine von Frankfurt steckt. Also buchen sie uns auf eine spätere Maschine nach Windhoek um. Nur das mit dem Gepäck, das haben sie nicht so richtig hinbekommen und so startet unsere Wüstensafari mit „leichtem Handgepäck“ und vor allem ohne Ersatzakkus für die Kamera. Ihr könnt euch vorstellen, wie kalt mich diese Tatsache lässt. Da hat auch Andrews „Dann müssen die uns das Gepäck zur ersten Campsite nachbringen, ich kümmer mich da drum“, wenig Wirkung, schließlich sprechen wir von einer Fahrt von mehreren Stunden tief in die Wüste hinein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das klappt.

Selbstverständlich sind alle anderen bereits angekommen, haben schon ihre Zimmer in der Lodge bezogen und den ersten Powernap hinter sich. Wir treffen uns mit Andrew zur allgemeinen Lagebesprechung und zum Dinner auf der Terrasse der Rivercrossing Lodge. Bei der Frage wer was für ein Pferd möchte, wirds dann für Andrew nicht ganz einfach – es wollen ausnahmslos alle ein schnelles Pferd. Nur ich bestätige das „bestellte“, wie immer brave, Fotopferd, dass mit meiner Kamera klar kommt und nicht rumzappelt, wenn ich fotografiere.

Nach einem leckeren Abendessen und einem fröhlichen ersten Abend, freuen wir uns alle auf den kommenden Tag und unsere Fahrt in die Wüste.

Da es terminlich „nur“ für eine Woche anstatt der üblichen 11 Tage gereicht hat und es um diese Jahreszeit eigentlich schon zu heiß für die Wüstendurchquerung ist, lassen wir einen Teil der Strecke aus und fahren weit in die Wüste hinein, um dann noch ca. 250km bis Swakopmund zu reiten.

Wir sind alle schon tierisch gespannt und ich glaube insgeheim denkt jeder es erwarten uns 5 Tage lang Sand und gar nichts, so eben die klassische Vorstellung die man von einer Wüste hat.

Aber schon auf der Fahrt wird klar, dass die Namib soviel mehr zu bieten hat als nur Sand – in einem Teil hat es geregnet und überall wächst wunderhübsches „Puschelgras“, welches in der Sonne silbern glänzt, wir sehen dicke Zebras, hohe Berge, rauhe Felsen, durchqueren den Kuiseb Canyon (hier sei angemerkt ihr solltet unbedingt „Wenn es Krieg gibt gehen wir in die Wüste“ von Henno Martin lesen!), irgendwann sind wir auch offiziell im Namib Naukluft Nature Reserve und kommen in Aruvlei, unserer ersten Campsite, an.

Hier erwarten uns 20 ausgeruhte Vierbeiner und das Team um Andrew herum. Im Laufe der Woche wird erst so richtig deutlich, was dieses wirklich kleine Team leistet!

Da sind Nelson und Collin, zwei fleißige Bienchen im Hintergrund, sie kümmern sich um die Pferde, bauen alles auf und ab, füllen die Duschen mit heißem Wasser, flitzen hin und her und sind immer fröhlich.

Telane – sie ist durch und durch Pferdefrau, ihren Augen entgeht nichts, sie kennt jedes Pferd in- und auswendig und würde alles für ihre Vierbeiner tun. Also genau genommen tut sie das auch.

Christine – wie kann man bitte mit ein bisschen Feuer und einer einzigen Kochplatte so geil kochen??

Phoebe – eine australische Powerfrau in der Wüste. Sie fährt den riesigen Truck mit den Pferden, hilft kochen, baut auf und ab und ist Mädchen für alles. Zuhause trainiert sie die Safaripferde und vorallem hat sie immer gute Laune.

Andrew – er weiß den Weg, ohne ihn wird’s da draussen in der Wüste eng.

Da wir soviele sind, begleiten uns außerdem noch Iris, eine deutsche Tierärztin, als Back-Up Reiterin und Barbara, sie ist zusammen mit ihrem Mann und Andrew Inhaberin von Namibia Horse Safari. Im wirklichen Leben ist sie Ärztin und Araberzüchterin.
Das Team ist klein aber super eingespielt, am Ende des Tages macht jeder alles, sonst würde es nicht funktionieren.

Bevor es dunkel wird, bekommt jeder von uns sein Pferd zugeteilt, wir erhalten eine Einweisung in die Art zu satteln und außerdem wie wir unser Bett auf- und wieder abbauen. Und dann gibt es auch schon den ersten Sundowner und ein ultra leckeres Abendessen am Lagerfeuer. Der berühmte und erhoffte Sternenhimmel ist allerdings nicht zu sehen – wir haben Vollmond und ich wache nachts ein paar mal auf und denke jedesmal jemand hat vergessen das Licht im Schlafzimmer auszumachen.

So, und dann geht’s also los!

Meine Buddy für die kommenden Tage ist Polka, eine 14-jährige Fuchsstute mit haufenweise Safarierfahrung. Zu meiner großen Freude stelle ich schon beim ersten Galopp fest, dass die kleine Maus ein paar Gänge mehr hat, als meine bisherigen Fotopferde und dazu noch super trittsicher und aufmerksam ist, sie sieht jedes Loch! Ein geländegängiger Wüstenferrari, ultra geil! Wir einigen uns auf Arbeitsteilung – Polka übernimmt die Verantwortung für unserer beider Sicherheit (sprich Tempo und Weg) und ich die Verantwortung für gute Bilder und Videos. Klappt hervorragend!

Obwohl wir eigentlich nicht mit Tierbeobachtungen rechnen, haben wir gleich an diesem ersten Tag das große Glück eine größere Gruppe Giraffen zu sehen. Was für ein seltener Anblick in der Wüste und wie gut gertarnt sie in der beigefarbenen Umgebung sind, total faszinierend. Unsere Ponies sind auch gewaltig fasziniert, sowas sieht man als Wüstenpony nicht alle Tage.

Schon an diesem ersten Tag zeigt die Wüste ihre große Vielfalt. Alle paar Kilometer ändert sich das Bild. Von sandig mit vereinzelten Büschen, zu sandig mit Steinen, nur Steinen, nur Sand ohne alles, Canyon mit richtig Höhenmetern, es ist alles dabei und es macht soooo sehr viel Spass! Wir reiten entweder „querbeet“ oder durchqueren auf Jahrhunderte alten Wildpfaden eine Steinwüste, erklimmen einen Berg und haben dann wieder eine gigantische Aussicht auf die unter uns liegende Wüste.

Tatsächlich lässt es sich nur schwer beschreiben, man muss es wirklich selbst erleben. Die Wüste macht erstaunliche Dinge mit einem und lässt einen so unglaublich zur Ruhe kommen und „runterfahren“ wie ich – und auch die anderen – es noch nie erlebt habe.

Die Natur bestimmt unseren Tagesablauf. Es gibt keine Entscheidungen zu treffen, alles läuft nach klaren „Regeln“ – schon am nächsten Tag verfallen wir in eine beruhigende Routine:
Aufstehen, essen, reiten, essen, reiten, essen, schlafen. Hört sich langweilig an, aber hejo, nein, es ist das Abenteuer meines Lebens! Diese Weite, diese Ruhe, dieses unglaubliche Pferd unter mir, die langen, schnellen Galoppaden, ich möchte einfach immer weiterreiten und nie in der Zivilisation ankommen.

Zweimal täglich gehen alle Pferde durch den „Vet-Check“, sprich Telane und Andrew schauen jedes Pferd einzeln an, tasten Rücken und Beine ab, traben es an der Hand und entscheiden dann, ob es eine Pause braucht oder weiter geritten werden kann. Ich bin jeden Tag stolz und glücklich, wenn meine kleine Maus das „Fit to go in the desert“ bekommt und sie mich weiter auf unserem Abenteuer begleitet.

Die langen Ritte geben uns nicht nur die Möglichkeit zu herrlich langen und auch schnellen Galoppaden, sie geben uns auch die Möglichkeit intensiv über uns selbst nachzudenken und wunderbare Gespräche mit unseren Mitreitern zu führen. Etwas, was in unserem hektischen Alltag ja auch oft viel zu kurz kommt. Und das Schöne – keiner schaut zwischendurch auf sein Handy, checkt Mails, Instagram oder facebook, wir haben nämlich 0,0 Empfang! Alle Handys stecken irgendwo in einer Tasche und werden maximal als Kamera benutzt. Ist das nicht herrlich? Gespräche von Angesicht zu Angesicht, nur gestört von einem flotten Galopp oder einem Oryx, welches es zu bestaunen gilt.

Alle Übernachtungsplätze sind auf ihre Art bezaubernd und haben etwas ganz besonderes. So beschert uns der eine einen unglaublichen Sonnenuntergang. Die Sonne ist ein einziger Feuerball und setzt den Himmel regelrecht in Flammen.

Am Freitag hingegen übernachten wir an einem großen roten Felsen, dem Bloedkoppie. Wir klettern zum Sonnenuntergang hinauf und haben einen atemberaubenden Blick auf die Namib. Weite so weit das Auge reicht, keine Menschenseele außer unserer Truppe, der absolute Wahnsinn. Die nächste Nacht hingegen ist im totalen Nichts und wir können kilometerweit schauen und bekommen in der Nacht endlich unseren ersehnten Sternenhimmel! Und da es kein gefährliches Wild in dieser Gegend gibt, können wir unser Bett bedenkenlos überall aufbauen.

Vom Bloedkoppie reiten wir in ein bezauberndes Gebiet mit vielen Felsen, welche die unterschiedlichsten Formationen und Anordnungen bilden. Doch auch diese Gegend ist wie immer nach ein paar Kilometern vorbei und wir kommen in eine weite, sandige Ebene auf welcher wir doch tatsächlich ein Chamäleon finden! Was für ein faszinierendes Tierchen. Es ändert nicht nur seine Farbe, sondern auch seine Form, als Phoebe es auf die Hand nimmt, um es uns zu zeigen.

Die heutige „Apfelpause“ (jeden Morgen gibt es während des Rittes eine Pause für die Pferde und einen Apfel für die Reiter) verbringen wir im Schatten eines Baumes in einem breiten Sandbett.

Barbara hat einen ihrer selbstgezüchteten Araber dabei – Löwenherz ist 5 Jahre alt und bildschön! Als sie Ingrid am zweiten Tag bittet ihn einmal zu reiten, möchte die gar nicht mehr absteigen und so ist er ab sofort Ingrids Wüstenferrari. Der Kerl ist das erste Mal in der Wüste und hat weder Angst vor den Giraffen, noch hat er Mühe mit den Safaripferden mitzuhalten. Einzig das Fressen aus den Futtersäcken (man hängt sie den Pferden über den Kopf) muss er noch lernen. Da stellt er sich wirklich urkomisch an.
Und Ingrid wäre natürlich nicht Ingrid, wenn sie nicht schon beim 2. Ritt die Trense abnimmt und ihn nur noch mit Knotenhalfter und Strick reitet. Und sie wäre auch nicht Ingrid, wenn sie nicht ständig auf der Suche nach einem passenden Baumstamm wäre, um Löwenherz einzuspringen.
Als Reiseleitung könnt ihr euch vorstellen wie froh man ist, wenn kein Baumstamm auffindbar ist. Schließlich ist die Vorstellung, dass sich einer deiner Reisegäste ernsthaft verletzt, nicht gerade Blutdruck senkend. Die Schlagzeile, dass Ingrid Klimke sich beim Einspringen eines bildschönen Arabers in der ältesten Wüste der Welt das Bein gebrochen hat, möchte ich mir aber bei aller Liebe überhaupt gar nicht vorstellen und würde vermutlich zu einem Herzinfarkt meinerseits führen.
Das Schicksal meint es leider nicht gut mit mir und bei eben dieser Apfelpause ist also besagter Baumstamm da und zu Ingrids großer Freude hat er auch noch 3 verschiedene Höhen, so dass sie Löwenherz langsam an die Sache heranführen kann.
„Das ist ja großartig, Ingrid“, denkt mein kleines Herz ironisch und rutscht mir in die Hose. „Wenn schon denn schon“ denkt der Papparazzi in mir und ich zücke meine Kamera.
Löwenherz stellt sich zum Glück geschickt an und alle kommen sicher und unverletzt aus der Nummer raus. Nur die sonst so schlagfertige Barbara ist sprachlos und den Tränen nahe vor Glück und Stolz.

Am Nachmittag haben wir dann unseren ersten „richtigen“ Galopp. Auf einer weiten Ebene mit genug Platz, dass jeder seinen eigenen Weg nehmen kann, bekommen wir die Erlaubnis Andrew überholen zu dürfen, wenn wir wollen. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen!
Mein Ferrari zieht ab wie eine Rakete! Was für ein krasses Pferd! Ich kann das ganze Feld von hinten aufrollen, ich muss nur ein bisschen die Hand aufmachen und Polka schaltet in den nächsten Gang. Ich kann kaum glauben, dass ich so eine Flitzmaus reiten darf!

Der Sonntag startet mit viel Aufregung – Anne hat Geburtstag! Selbstverständlich müssen alle gratulieren, schnattern wild durcheinander und hüpfen halb angezogen durch unsere „Kofferburg“, um Anne um den Hals zu fallen. Bis plötzlich von Rainer ein fast schon verzweifelter Aufschrei kommt: „Verdammt Mädels, ich komm mir vor wie in der Umkleidekabine der Damen-Nationalmannschaft! Egal wo ich mich hindrehe, es rennt immer irgendwo eine von euch nackt oder halbnackt in der Gegend rum! Ich weiß gar nicht mehr wo hinschauen!“
Tatsächlich bestätigt uns später auch Phoebe mit einem Schmunzeln, dass „normale“ Gäste sich in den Duschkabinen umziehen gehen. Da wir uns aber alle irgendwie kennen, kam uns das überhaupt gar nicht in den Sinn!

Am Vormittag genießen wir nochmal einen richtig schnellen Galopp und nähern uns am Nachmittag doch tatsächlich wieder ein wenig der Zivilisation. Alles in mir streubt sich, obwohl die Landschaft wieder einmal atemberaubend ist – wir durchqueren einen riesigen Canyon mit zerklüfteten Felsen und bizarren Felsformationen.

Am Abend übernachten wir bei Andrews Cousin, er hat eine Art Campsite am Ende des Canyons, mit richtigen Duschen und einem Pub wo wir einen unglaublich lustigen Abend mit Billard spielen, Bier trinken und tanzen verbringen.

Und dann ist er auch schon da, der wie immer gefürchtete letzte Reittag. Langsam aber sicher nähern wir uns der Zivilisation und verlassen auch den Namib Naukluft Nationalpark. Kurz vor Swakopmund müssen wir noch eine Straße und Bahnschienen überqueren und stehen plötzlich inmitten riesiger roter Dünen! Wunderschön sind die und alle haben eine andere Form.

Und plötzlich sind wir am Meer und am Ende dieses Abenteuers angelangt. Würde mir jemand sagen „Komm wir reiten zurück“, ich würde sofort meine kleine Polka wenden und es könnte gar nicht schnell genug zurück in die Wüste gehen.

Und wenn ich das so lese, dann werden meine Worte diesem unglaublichen Abenteuer im Sattel und zu mir selbst, überhaupt nicht gerecht! Denn es war soviel toller, schöner, spannender, lustiger und bewegender als ich es hier geschrieben habe, dass ihr es einfach selbst erleben müsst!

Keiner von uns hatte Lust sein Handy anzumachen, obwohl wir in Swakopmund natürlich wieder Empfang und auch WLAN hatten, wir wollten die Erinnerung an dieses wunderbare Erlebnis „Wüste“ solange wie möglich wach halten, das Eins sein mit der Natur und dem Pferd ohne Emails, Social Media, Terminen, Verpflichtungen und all den kleinen und großen Stressmachern in unserem Alltag.

Das Gesamtpaket, welches Andrew und sein Team hier anbieten, ist einfach unvergleichlich. Diese unberührte Natur, die harten und immer fleissigen und vorallem schnellen Pferde, die vielen langen und flotten Galoppaden, das fantastische Essen, das sich im Dunkeln mit der Stirnlampe zurechtfinden, das Schlafen unter dem Sternenzelt in diesen ultra kuscheligen Betten, die Liebe und Leidenschaft mit der das ganze Team dieses Abenteuer im Sattel zu einem unvergesslichen Erlebnis macht und sogar der Staub, der einem nach einem langen Ritt im Gesicht klebt, all das macht einen unglaublich glücklich, dankbar und zufrieden.

Fazit: Sofort wieder!

Hier findet ihr alle spannenden Ritte mit Andrew und seinem Team:
Namib Wüstenritt

Damara Elephant Trail
Desert Canyon Safari

In Namibia gibt es natürlich endlos viele Möglichkeiten den Urlaub zu verlängern. Wir haben den letzten Vormittag genutzt um in Walvis Bay eine Delfin Tour zu machen. Tatsächlich war auch das ein wirklich tolles Erlebnis und wir haben nicht nur Delfine gefunden, welche mit unserem Boot mitgeschwommen sind, wir haben sogar das riesige Glück gehabt einen Mola Mola – auch bekannt als Mondfisch – zu sehen!

PS: Unsere Koffer wurden uns tatsächlich in die Wüste gebracht 😉