Archiv der Kategorie: Südafrika

Zurück in Südafrika bedeutet zurück im Paradies

von Rebecca Hoch

Und da stand ich auf dem Sundowner Deck von Ant’s Hill, keine 5 Minuten angekommen, und wusste wirklich nicht wann ich das letzte Mal so glücklich war! Dieser Ausblick über das Reservat, diese Weite, diese Stille außer der üblichen Tiergeräusche – in Südafrika braucht es wahrlich nicht viel um einen glücklich zu machen – naja, außer ein paar Wildtieren und Pferden natürlich. Von diesen gab es in den nächsten Tagen noch genug und ich konnte nur erahnen, wie viele Glücksmomente in der kommenden Woche noch vor mir lagen!
Aber nochmal zurück auf Anfang, wie alles begonnen hat. Das war nämlich recht genau Mitte Dezember letzten Jahres, also 2019, also meine liebe Kollegin Katharina von ihrer Namibiareise mit Ingrid Klimke zurückkam und anschließend noch einen kurzen Besuch bei Ant’s gemacht hat. Sie hatte nämlich die unglaubliche Nachricht im Gepäck, dass Ant’s mich gerne für eine Woche einladen möchte – zum mal persönlich kennenlernen, alles anzuschauen und noch ein besseres Gefühl zu bekommen, welche unserer lieben Kunden wo am besten aufgehoben sind. Ant’s besteht nämlich nicht nur aus einer Lodge, sondern aus zwei verschiedenen Lodges – Ant’s Hill auf einer Anhöhe mit atemberaubendem Blick über das Reservat und Ant’s Nest mit super familiärer Atmosphäre im Tal des Reservats. In beiden Unterkünften gibt es außerdem noch jeweils drei Zimmerkategorien – vom Standardzimmer bis zum Superior Deluxe Cottage mit Badewanne auf dem Deck und Blick über das ganze Reservat ist hier alles vorhanden – es ist also für jeden das Richtige dabei! Aber man kann so auch schnell den Überblick verlieren, für wen denn nun was am besten ist. Und um so richtig ein Gefühl dafür zu bekommen, dass Ant’s für jedermann bzw. -frau das Richtige ist, durfte ich noch jemanden mitbringen. Da stand ganz schnell fest, dass meine Mum in diesem Jahr ein ziemlich besonderes Weihnachtsgeschenk bekommen würde – eines bei dem ihr wortwörtlich die Kinnlade runterfallen wird. Meine Mum ist zwar Nicht-Reiterin, aber gerade das ist bei Ant’s mal so gar kein Problem und vor allem das, was Ant’s so besonders macht – sie gestalten für jeden individuell ein passendes Programm und hierbei ist nichts zu aufwendig. Und wenn ich nichts sage, meine ich auch wirklich rein gar nichts – das wird euch in den kommenden Zeilen vermutlich bewusst.

Nachdem meine Mutter an Weihnachten 2019 dann wirklich aus dem Staunen nicht mehr herauskam, als Sie Ihr Geschenk „auspackte“, saßen wir Ende Februar 2020 dann schon gemeinsam im Flieger nach Paris Charles de Gaulle und von dort aus weiter nach Johannesburg. Dank des Nachtfluges hieß es am nächsten Morgen dann bereits „Hallo Südafrika“ und ich hatte das gleiche enthusiastische Gefühl in mir, als ich vor 7 Jahren das erste Mal Fuß auf den afrikanischen Kontinent setzte – Afrika, in diesem Fall Südafrika, zieht einen einfach sofort in seinen Bann!

Vom Flughafen ging es dann in einem 3stündigen Transfer weiter nach Ant’s Hill und selbst die 3 Stunden vergehen ratzfatz bei diesen schönen Ausblicken. Die waren jedoch nichts zu dem, was uns bei Ankunft auf Ant’s Hill dann erwartete. Dort wurden wir super herzlich von Gail begrüßt und für den Begrüßungsdrink erst einmal in die Hauptlodge gebracht, von dessen Sundowner Deck einen dieser unfassbare Ausblick erwartet – auch Monate nach meiner Reise kriege ich noch Gänsehaut beim Gedanken an unsere Ankunft auf Ant’s Hill!

Und dann ging es auch schon los – Zuhause für die nächsten Tage beziehen, kurze Sicherheitseinführung und ab in den Jeep zu unserer ersten Jeepsafari. Ich gebe zu, am liebsten wäre ich sofort auf einen Pferderücken gesprungen aber es ist doch immer schön die erste Aktivität gemeinsam zu erleben. Wir wurden auch gleich von Giraffen, Gnus und einer Säbelantilope begrüßt und zum Sundowner lernten wir die anderen Gäste bei einem gemeinsamen Gin Tonic kennen.
Am Abend erwartete uns in super gemütlicher Atmosphäre ein unglaublich leckeres 3 Gänge Menü – besonders schön finde ich hierbei, dass auf Hill immer der Chefkoch persönlich das Menü ankündigt. An der großen Tafel entstanden schnell Gespräche und unter viel Gelächter neigte sich unser erster Abend in Südafrika dem Ende zu. 

Am nächsten Morgen wurden wir sanft vom Wake Up Call mit Kaffee & heißer Schokolade am Bett geweckt – wie bitte soll man besser in den Tag starten? Eins gibt es da vielleicht, richtig, einen ausgiebigen und erlebnisreichen Safariritt! Und den gab es dann nach einem gemeinsamen Frühstück mit den anderen Gästen auch. Zumindest für mich und die drei französischen Gäste, meine Mum hingegen wollte es erst einmal gemütlich angehen lassen und startete mit einer weiteren Jeepsafari – dafür wurde ganz unkompliziert einfach ein Guide alleine mit meiner Mum losgeschickt.
Ich hingegen lernte meine vierbeinige Partnerin Nairobi, eine feine fuchsfarbene Vollblutstute, kennen. Sie wurde während meinen Ritten auf Ant’s Hill mein absoluter Liebling – super fein zu reiten aber wenn sie Gas geben durfte, dann war sie weg – am liebsten hätte ich sie gar nicht mehr hergegeben! Nebenbei gab es dann auch gleich Giraffen, Zebras & Gnus auf unserem Ritt zu sehen und das alles auf einem Fleck – wir waren geradezu umzingelt von den Buscheinwohnern 🙂
Nach knapp 3 Stunden kehrten wir alle fröhlich und glücklich zurück zur Lodge – ganz gleich ob wir zu Pferd oder im Jeep unterwegs waren. 
Zum Mittagessen erwartete uns ein herrliches Buffet mit allerlei Salaten aber auch warmen Speisen wie Lasagne und vieles mehr.

Eigentlich standen am Nachmittag dann wieder 1-2 Stunden Reiten oder Jeepsafari auf dem Programm, aber für meine Mum & mich ging es am heutigen Nachmittag zum Koholo Game Drive in ein Big 5 Reservat. Ant’s hat eine Menge verschiedener Wildtiere auf seinem Reservat, allerdings keine Elefanten & Löwen, daher wollten wir unser Glück auf dem Big 5 Game Drive versuchen. Aber Südafrika ist eben kein Zoo, das Gras war durch die Regenfälle der vergangenen Monate sehr hoch, das Wetter eher bedeckt und die großen Tiere hatten daher schlichtweg keine Lust auf Laufsteg spielen. Wir haben aber dennoch viel Kleinwild und sogar Nashörner gesehen, hatten eine super lustige Truppe und einen Guide aus Süddeutschland, der gerade für 1 Jahr in Südafrika war und seine Rangerausbildung gemacht hat – die Welt ist eben doch ein Dorf 😉
Zurück auf Ant’s Hill gab es nach einer schönen heißen Dusche ein Dinner in sehr kleiner Runde, nur wir Zwei gemeinsam mit Gail vor dem Kamin, da die französischen Gäste am Mittag abgereist waren und die neuen Gäste erst am kommenden Tag anreisen sollten. Und so fielen wir wieder pappsatt und vollkommen zufrieden und glücklich nach einem Tag mit wunderbaren Erlebnissen und Gesprächen in unser Bett.

Und dann war der Morgen da, an dem meine Mum sich auf auf’s Pferd wagte – ich war vermutlich fast aufgeregter als sie selbst. Sie ist zwar in ihrer Jugend ein paar Mal auf einem Pferd gesessen, das war‘s dann aber auch. Und selbst für absolute Reitanfänger, die einfach mal gerne „probieren“ möchten, hat Ant’s immer die idealen vierbeinigen Partner. Also erkundeten wir erst einmal gemeinsam eine Stunde lang im Schritt den Busch, suchten nach Spuren und Tieren. Allerdings waren die tierischen Einwohner wohl noch in typischer Montagmorgenstimmung und haben sich schön in ihre versteckten Bettchen verkrochen. Das war aber nicht weiter schlimm – meine Mutter war so schon völlig im Glück und nach einer Stunde wurde sie dann mit dem Jeep abgeholt, ihr Pferd freigelassen (da keine Löwen auf dem Reservat leben, können die Pferde allesamt frei leben und kommen nur zu den Fütterungen in die Ställe – hier werden dann auch immer alle Pferde auf Wunden etc. kontrolliert) und für sie ging es weiter auf Jeepsafari. Johnson, Mat (die Guides) und ich glichen die fehlenden Tiere dann einfach mit entsprechend schnellen und langen Galoppaden aus – so dass auch ich nach den drei Stunden reiterlich vollkommen ausgelastet zur Lodge zurückkehrte.
Und so nahmen die Tage ihren Lauf – wann immer meine Mum mit reiten wollte, starteten wir gemeinsam und nach einer gewissen Zeit ging es für sie weiter auf Jeepsafari und für mich alleine mit den Guides etwas schneller zu Pferd weiter – über diesen „Service“ war ich einfach nur sprachlos! Wer also denkt Ant’s ist nichts für erfahrene Reiter, weil auch Anfänger mitkönnen, hat weit gefehlt. Ich hatte auf jedem einzelnen Ritt unfassbar viel Spaß, habe unglaublich viel von den begabten Guides gelernt und hatte so flotte Galoppaden, dass ich vor Freude nur noch jauchzen wollte. Und damit es nicht langweilig wird kann man sich dann auch noch Massagen hinzubuchen oder einfach mal im Pool oder der Badewanne mit Blick über das Reservat entspannen.

Am Mittwochmorgen war es dann soweit und es hieß „Auf Wiedersehen“ zu Ant’s Hill und „Hallo“ zu Ant’s Nest. Wer auf Abwechslung steht kann also auch beide Lodges mischen und hat am Wechseltag einen tollen Ritt mit vielen schönen Strecken, allen voran einer wunderschönen, langen, sandigen Galoppstrecke auf der letzten Etappe nach Ant’s Nest.
Auf Ant’s Nest wurden wir nicht minder herzlich begrüßt und haben uns sofort pudelwohl gefühlt – wenn auch mit einem weinenden Auge, da wir zum Team von Ant’s Hill und ich somit auch von meiner Lieblingsnairobi Tschüss sagen musste. Aber auch Ant’s Nest hat ein absolutes spitzen Team und wunderbare Pferde – ich hatte insgeheim wieder einen kleinen Favoriten namens Indie ausgemacht. Aber auch Shemane & Samba, zwei tolle Stuten, haben mir super viel Spaß auf den Ritten bereitet.

Nach einem leckeren Lunch und Beziehen der Sable Suite (bei allen Unterkünften kommt man wirklich nicht mehr aus dem Staunen raus) brachen wir dann zu unserem ersten Ritt von Ant’s auf – und dieser endete mit dem ersten Sundowner ohne Wolken, die uns zu Beginn des Aufenthalts immer begleitet haben – ganz getreu dem Motto besser spät als nie 🙂

Und dann war da auch schon der Donnerstag, ein Tag wie jeder andere und doch auch nicht – 7 Jahre zuvor durfte ich meinen Geburtstag in Südafrika feiern und nun wieder, das war eigentlich schon das größte Geschenk. Was der Tag dann aber alles mit sich brachte, war unglaublich. Ein wunderbarer Ritt am Morgen, ein wie immer köstliches Mittagessen und am Nachmittag wartete dann eine tolle Überraschung von meiner Mum auf mich – ihr Geschenk war nämlich ein Fotoshooting welches sie bei Ant’s gebucht hatte. Also kam auf Nachmittag extra die Fotografin Lotty und begleitete uns bei der gesamten Nachmittagssafari um Bilder zu machen und so für unvergessliche Erinnerungen zu sorgen. Wenn ich ihre Bilder anschaue weiß ich wieder ganz genau wie sich dieser Moment vor den Tieren, der Galopp durch den Damm oder der Moment in dem wir alle in Gelächter ausbrachen, weil sich das Pferdchen meine Mum eine Abkühlung gönnen wollte und sich fast mir ihr im Damm hingelegt hat (konnte aber gerade noch verhindert werden) angefühlt hat. Und als wäre das nicht schon genug, hatten wir genau an diesem Nachmittag das Glück die Nashörner vom Pferd aus beobachten zu können. Die Geburtstagstorte und ein Team das mir afrikanische Geburtstagslieder sang und tanzte führten dann schließlich dazu, dass ich die Tränen in meinen Augen nicht mehr leugnen konnte. Einen schöneren Geburtstag hätte ich mir nicht vorstellen können!



Am Freitagmorgen ging es dann mit Ant, dem Chef höchstpersönlich, auf Safari – ich sage euch, wer bisher dachte er ist schon schnell geritten, der war noch nicht mit Ant unterwegs. Hier kann wirklich keiner mehr sagen es gab nicht genug Abenteuer. Schon während ich auf Hill war, habe ich erfahren dass Ant schnelles Reiten mag – auf einem Ritt dachte ich ernsthaft, es kommt eine Pferdeherde auf uns zugaloppiert bei so schnellem Hufgetrampel, da hatte ich kurz Adrenalin.. aber es war nur Ant mit einer Reitgruppe in ziemlich flotten Tempo. Danach war unser Running Gag, dass Ant’s Hill nur mein „Bootcamp“ für die Ritte mit Ant auf Ant’s Nest ist 😉
Den Nachmittagsritt unternahm ich wieder gemeinsam mit meiner Mum und wir ließen es etwas gemütlicher angehen. Aber auch hier war wieder alles möglich – also blieb meine Mum einfach bei Amanda im Schritt und ich ritt mit meinem Guide einen kurzen Umweg den wir flott im Galopp zurücklegten, bevor wir uns wieder trafen und weiter zum Sundowner ritten, der heute direkt bei Ant’s Haus geplant war. Dort trafen wir auch zwei Gäste von Hill wieder, Kerstin und ihre bezaubernde Tochter Lottie, mit denen wir schon auf Hill super viel Spaß hatten und von der süßen Lottie gab’s sogar noch ein gemaltes Geburtstagsbild für mich. Lottie ist übrigens das beste Beispiel dafür, dass Ant’s sich auch super gut auf kleine Kinder einstellt – sie und ihre Mum waren schon öfters auf Ant’s und in diesem Jahr hat sie ihren ersten Galopp durch den Busch mit ihrem kleinen Lieblingspony Chutney absolviert!

Und da waren wir auch schon am letzten Abend angekommen, an dem wir mit Ant im Boma ein super leckeres letztes Abendessen genossen – was anderes als lecker kommt bei Ant’s auch eh nicht auf den Tisch!

Am Samstagmorgen hieß es dann ein letztes Mal ab in den Busch. Mum wollte lieber voll etwas an der Lodge entspannen, bevor uns am Nachmittag der Transfer zurück an den Flughafen Johannesburg bringen würde. Also stand nochmal ein flotter Ritt mit Ant auf dem Programm und als wir gerade zurück zur Lodge reiten wollten erspähten Indie und ich etwas im Busch – es waren tatsächlich die Büffel und sie waren super entspannt, so dass wir eine ganze Weile mit ihnen verbringen konnten. Da war ich ein bisschen stolz auf unsere Entdeckung.
Beendet wurde der Ritt nochmal mit einem echten Highlight für mich – Schwimmen gehen mit dem Pferd. Etwas was ich zuvor noch nie gemacht habe und immer schon machen wollte. Es war ein unglaubliches Gefühl und ich glaube mein Gesicht in dem Moment sprach Bände 🙂

Aber alles muss einmal enden und so auch unser Aufenthalt auf Ant’s Nest & Hill. Ich kann wirklich nicht sagen, wo es mir besser gefallen hat – Nest oder Hill. Ant’s ist ein Gesamtkunstwerk, von enormer Herzlichkeit geprägt und hat mich einfach nur eine gesamte Woche extrem glücklich gemacht, meine Mum mal ganz zu schweigen! Hier werden definitiv Erinnerungen produziert, die so schnell nicht vergessen werden 🙂 

Ride & Work at Kaapsehoop Horsetrails – mein Leben als Volontärin

von Jana S.

Am 12.09.2017 war es soweit für mich. Meine zweimonatige Reise nach Südafrika, die ich bereits Monate zuvor geplant hatte, ging endlich los. Das erste Mal in meinem Leben war ich alleine unterwegs und gleich in ein so weit entferntes Land. Ein bisschen Angst hat es mir schon eingejagt, wenn ich ehrlich bin. Denn auch wenn man weiß, wo man hinreist und was man wohl machen wird die meiste Zeit, eigentlich hat man ja doch keine Ahnung, worauf man sich genau eingelassen hat.

Entsprechend fertig mit meinen Nerven war ich auch, als ich in Kaapsehoop ankam, wahrscheinlich eine Mischung aus Erschöpfung von der langen Anreise und die Erleichterung endlich in meinem neuen Zuhause zu sein. Ich wurde sofort freundlich von Leon, dem die Farm mit gehört, Mariska, die die Ritte und Übernachtungen der Gäste organisiert und den beiden anderen Volontärinnen begrüßt. Wir Drei wohnen in einem kleinen Häuschen neben dem von Mariska und Leon, welches zwei Zimmer und ein Bad hat. Während die Anderen für die nachmittägliche Arbeit wieder zum Stall gefahren sind, hatte ich Zeit für mich, um etwas zu essen, zu duschen, auszupacken und richtig anzukommen.

Am nächsten Morgen im Stall habe ich dann auch Christo und Donovan kennengelernt. Christo ist der Chef der Farm und alle Pferde trainiert er mit dem Prinzip des Horsemanship und Donovan betreibt das kleine Restaurant „Saddle Up Eatery“, welches direkt auf dem Hof ist. Seine Burger und Pommes sind wirklich köstlich, wir haben bei ihm an einigen Tagen auch mal Mittag gegessen.

Unser Tag beginnt sehr früh, da es um 6:45 Uhr in den Stall geht und man vorher natürlich gestärkt und fertiggemacht sein muss, denn hungrig und im Schlafanzug arbeitet es sich am Stall eher schlecht. Außerdem sind meistens Gäste da und wir müssen schließlich ordentlich und fit aussehen. Zuerst werden die beiden Hengste und manchmal noch ein paar weitere Paddockpferde gefüttert, Wasser wird aufgefüllt und bei Bedarf auch Heunetze. Manchmal hatten einige Pferde Verletzungen, die wir dann im Anschluss versorgt haben. Je nachdem, ob ein Ritt mit Gästen geplant war oder nicht, haben Christo und Leon in der Zeit die Pferde mit dem Motorrad in den Paddock getrieben, denn nachts leben die Pferde komplett frei. Da kommt es auch mal vor, dass eine kleine Gruppe sich mit den echten Wildpferden, die in dem Gebiet leben, zusammentun und eine Zeit lang mit denen herumziehen. In der Regel kommen aber alle Pferde gern zum Hof, denn dort gibt es Wasser, Futter und Kuscheleinheiten.

Wenn es dann soweit ist, putzen wir die Pferde gründlich und bevor sie gesattelt werden, „blowen“ wir sie. Dabei werden mit so einer Art Hand-Laubbläser Staub und lose Haare aus dem Fell gepustet, damit die Pferde wirklich sauber werden und um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Ebenso trensen wir alle Pferde, wir satteln aber nur unsere eigenen, die anderen werden von Mariska gesattelt. In 99% der Fälle sind immer alle Volontäre auf die Ritte mitgekommen, auf denen wir dann dafür gesorgt haben, dass alle Pferde in einer Reihe bleiben und nicht den Anschluss verlieren. Je nachdem wie erfahren die Gäste sind, machen wir entweder nur einen einstündigen Schrittritt oder aber auch einen zweistündigen Ritt, bei dem das Traben und Galoppieren nicht zu kurz kommen. Bei jedem Ritt allerdings kann man die wunderschöne Landschaft bewundern, wenn man am Escarpment dicht neben dem Abgrund entlang reitet. In meiner Zeit in Kaapsehoop bin ich von diesem Ausblick nicht müde geworden, da es wirklich einfach nur atemberaubend ist. Die von uns Volontären gerittenen Pferde sind meistens jung und noch unerfahren. Unsere Aufgabe dabei ist, sie auf das Leben als Trailpferd vorzubereiten, ihre Rittig- und Achtsamkeit zu verbessern und ihnen die noch fehlende Routine zu geben. Trotz dieser Tätigkeit kann man die allermeiste Zeit die Ritte sehr genießen, sich entspannen und Spaß haben.

Die Rassen dort sind bunt gemischt, vom Kinderpony bis zum Shire-Mix ist wirklich für jeden etwas dabei. Man reitet jedes Mal ein anderes Pferd, ich habe in meiner Zeit die komplette Bandbreite durch. Reiterlich hat mir das auf jeden Fall weiter geholfen, lustig war es ein schmales Pony und ein großes, stämmiges Pferd am selben Tag zu reiten.

Wenn wir nach einem Trail wieder am Stall sind, geht die Arbeit erst richtig los. Alle Pferde müssen von uns angebunden, abgesattelt und abgetrenst und das ganze Equipment an den richtigen Platz gebracht werden. Danach hat einer von uns Volontären schon mal die Gebisse ausgewaschen, während die anderen die Pferde abgebürstet haben. Nachdem die Pferde ihr verdientes Futter aufgefressen haben, geht es für sie auf den Paddock und falls es am selben Tag noch einen weiteren Ritt gibt, geht die ganze Prozedur wieder von vorne los. In meiner Zeit hatten wir meistens nur einen Ritt am Tag und haben dann meist noch etwas gechillt, bis wir meist so gegen 12 Uhr zum Mittagessen nach Hause gefahren sind. Gegessen wird in der Küche bei Mariska und Leon, meistens gibt es Reste vom gestrigen Abendessen. Ansonsten haben wir uns Sandwiches, Müsli, Fruchtsalat oder auch mal ein Omelett gemacht. Nach einer Mittagspause ging es dann zurück in den Stall, wo wir meistens noch irgendwelche anfallenden Arbeiten erledigt haben. Dadurch war das Nachmittagsprogramm meist eine Überraschung, welche wir erst im Laufe des Tages erfahren haben. Manchmal haben wir Äste von Reitpfaden weggeräumt, alte Stacheldrahtzäune nahe der benachbarten Community ausgerissen, damit die Pferde nachts dort nicht hineingeraten oder dabei geholfen, ein Flächenstück am Hof zu begrünen. Allerdings war längst nicht jeden Tag so eine körperliche Anstrengung gefordert, obwohl mir diese Dinge sehr viel Spaß gemacht haben.

An anderen Tagen haben wir mit jungen, neuen und teils auch noch wilden Pferden gearbeitet. Eines Tages ist nämlich ein junges Pferd „nach Hause gekommen“, nachdem es sich über ein Jahr lang den Wildpferden angeschlossen hatte und eines ist mitgekommen. Mit beiden durften wir unter Anleitung arbeiten, sie im Ring aufhalftern, sie an das Führen und Bürsten gewöhnen. Dass uns dieses Vertrauen entgegengebracht wurde, hat mich unglaublich gefreut, denn dadurch konnte nicht nur das Pferd, sondern auch wir viel lernen. Ich hatte Zuhause schon einige wenige Erfahrungen mit Horsemanship gemacht, aber es war wirklich toll zu sehen, wie schnell und fair man mit dieser Methode auch bei vorher wild lebenden Pferden zum Erfolg kommt. Spannend war es auch Christo beim Einreiten zuzugucken, durch reines Zuschauen kann man bekanntlich auch sehr viel mitnehmen.

Feierabend ist normalerweise um 16 Uhr. Wir sind wieder zum Haus gefahren, haben geduscht und uns ausgeruht, bis es gegen 18 Uhr Abendessen gab. Dies wurde normalerweise von Mariska oder Leon zubereitet, wir haben manchmal noch einen Salat gemacht, aber meistens waren wir darin nicht involviert. Gegessen wurde dann gemeinsam im Wohnzimmer auf der Couch, während wir Fernsehen geschaut haben. Zu essen gab es fast immer etwas mit Nudeln, Kartoffeln oder Reis und Fleisch war eigentlich immer dabei. Diese Kohlenhydrate sind natürlich auch wichtig bei der täglichen Arbeit, auch wenn das für mich eine Ernährungsumstellung war, jeden Abend etwas „schweres“ zu essen. Es hat auch ein bisschen gedauert, bis sich mein Körper darauf eingestellt hatte. Mariska und Leon sind auch meist kurz nach dem Essen schlafen gegangen und wir durften dann noch länger fernsehen, allerdings sind wir meistens auch nicht viel später im Bett gewesen. Im Normalfall war mein Licht auch spätestens um 21 Uhr aus, teilweise aber auch noch früher, damit ich am nächsten Morgen nicht übermüdet war.

Langeweile kam nie auf, denn jeder Tag verlief anders. Manchmal wenn schlechtes Wetter war und/oder es nichts für uns zu tun gab und Leon in das ca. 40 Minuten entfernte Nelspruit gefahren ist, hat er uns mitgenommen. An diesen Tagen hat er uns in einer Mall abgesetzt, wo wir dann genug Zeit hatten um Süßigkeiten einzukaufen, zu shoppen, was Leckeres zu essen oder zum Beispiel bowlen zu gehen. Denn in der Mall befinden sich neben normalen Geschäften auch eine Bowlingbahn, ein Kino und sogar eine Eisbahn.

Meine zwei persönlichen Highlights waren allerdings zwei ganz andere Tage! Leon besitzt nämlich zusätzlich noch ein Safariunternehmen, wo er für uns einen Tagesausflug für die Panoramatour und in den Krüger-Nationalpark organisiert hat. Die Panoramatour besteht aus vielen natürlichen Sehenswürdigkeiten, zu denen verschiedene Wasserfälle, der Blyde River Canyon mit den „Three Rondavels“ und auch „God’s Window“ gehören. Am meisten beeindruckt haben mich aber „Bourke’s Luck Potholes“ zu deutsch „Bourkes Glücks-Strudellöcher“ beeindruckt! Dieser Tag war wunderschön, welcher eigentlich nur von der Safari im Krüger-Nationalpark getoppt wurde, welchen wir drei Volontäre mit Cassandra, unserem Guide, verbracht haben. Sie konnte uns zu jedem Tier, welches sie oder wir entdeckt hatten, etwas Spannendes erzählen und wir haben wirklich viele Tiere gesehen. Darunter waren bis auf den Leoparden auch die Big 5.

Ein weiterer, besonderer und ein vielleicht etwas kurioser Moment war, als wir am Stall Sattel und Trense eingepackt haben und damit in den Wald gefahren sind, um nach zwei Gruppen von Pferden zu suchen, die seit über zwei Wochen nicht am Stall waren. Ich sollte mit einer anderen Volontärin eine Gruppe von drei Pferden an den Stall reiten, wobei das dritte Pferd mitlaufen sollte. Gefunden haben wir die drei zusammen mit einem Wildpferd, unsere Pferde ließen sich auch sofort unkompliziert einmal überbürsten, satteln und trensen. Mir wurde dabei die Ehre zuteil, Leons Pferd Louis reiten zu dürfen, bis dato das größte Pferd, auf dem ich je saß, da ich aufgrund meiner Körpergröße sonst eher auf Ponys unterwegs bin. Auf dem Rückweg ist uns das Wildpferd auch noch einige Zeit lang in sicherem Abstand gefolgt, bis es irgendwann im Wald verschwunden ist. Der Kleine tat mir auch ein bisschen leid, aber es nützte ja nichts. Die Erfahrung gemacht zu haben, wie unglaublich entspannt und brav Louis und die anderen beiden waren, war einfach unglaublich toll und es hat riesigen Spaß gemacht, so ein Pferd alleine reiten zu dürfen, nachdem ich selbst auch erst eine Woche in Kaapsehoop war.

Die sechseinhalb Wochen in Kaapsehoop gingen viel zu schnell vorbei und so kam es, dass auch mein Abschied immer näher rückte. In dieser Zeit habe ich sehr viel über Südafrika, die Menschen dort und auch über Pferde gelernt und ich bin definitiv eine bessere Reiterin geworden. Nicht, weil ich viel Unterricht bekommen habe, sondern weil ich in kurzer Zeit mit den verschiedensten Pferden arbeiten und dadurch ein besseres Gefühl für das Pferd und die Verfeinerung der eigenen Hilfen erreichen konnte.

Meinen Abschied erleichtert haben mir der Umstand, dass ich nicht direkt zurück nach Hause geflogen bin, sondern noch einen Kapstadturlaub auf eigene Faust angehängt habe und die Tatsache, dass ich nicht für immer diesen Ort verlassen habe. Ich habe mir selber versprochen, zurückzukehren, um diese kraftvolle Ausstrahlung und Ruhe, die dieser Platz mit sich bringt, wieder spüren zu können. Ich war glücklich und habe einen Sinn in meinem Dasein und Tun gefunden, den ich hier in Deutschland immer noch suche. In diesem Sinne „Baai“ (Afrikaans für „Tschüss“) und ich hoffe bald wieder in diesem facettenreichen Land sein zu dürfen.

Hier gibt es alle Infos zum Ride&Work Programm bei Kaapsehoop und hier geht es zu den Reitsafaris von Kaapsehoop

Ingrid Klimke – auch berühmt sein schützt nicht vor akuter Afrikasucht

von Katharina Hageloch

Wir wissen, dass unser Flaggschiff Wait A Little ein potenzielles Suchtrisiko birgt, aber dass sogar jemand wie Ingrid Klimke zum Wiederholungstäter wird, gleicht doch schon einem Ritterschlag! Da unser erstes gemeinsames Abenteuer im Sattel bereits 2013 stattgefunden hatte, war es dringend an der Zeit für Wait A Little 2.0.
Noch immer schwärmen sowohl Ingrid als auch wir von dieser Woche mit sovielen Highlights – Elefanten im Fluss, unser Feuergalopp auf Makalalis Airstrip, Löwen überall und unsere lustigen Abende mit Else der westfälischen Bäuerin! Also gab es irgendwie ja auch was zu toppen…. Schwupps, da war sie wieder die Anspannung…. 2 Jahre so gut wie kein Regen – so sehr ich dem Reservat Regen gönnte, aber was, wenn er ausgerechnet in „unserer“ Woche kommt? Was, wenn wir keine Tiere sehen – die latschen ja rum wo sie wollen…. Es gab also schon wieder genug wenns und abers um mir ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend zu bereiten. Dass aber 5 Mannen komplett ohne Gepäck ankommen würden, damit hat selbst mein kreatives Unterbewusstsein nicht gerechnet…. Doch dazu später mehr. Ingrid Klimke – auch berühmt sein schützt nicht vor akuter Afrikasucht weiterlesen

Tolle Pferde, Entspannung pur und das Abenteuer Polocrosse

von Katharina Luz

Nach einer traumhaft schönen Woche auf dem Wild Coast Trail reise ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge ab – das weinende Auge liegt auf der Hand, das lachende, weil mich eine weitere Woche Abenteuer im Sattel in Südafrika erwartet!
Wir fliegen zurück nach Johannesburg, wir, heißt Rainer, Sylvie (sie wird mich begleiten) und ich. Da Rainer eigentlich weiter nach Wait A Little möchte, die Zeit zum Weiterfahren aber zu knapp ist, kommt er kurzerhand mit Sylvie und mir. Unser Ziel ist Horizon Horseback Safaris, einer unserer Partner in der Waterberg Region. Nach kurzweiligen 3 Stunden Autofahrt kommen wir abends auf Horizon an und werden sofort herzlich von Kirsty empfangen. Rainer hatten wir noch kurzfristig für eine Nacht angemeldet und stecken ihn einfach mit in unser Zimmer – das fängt schon mal herrlich unkompliziert an, das gefällt mir!

Tolle Pferde, Entspannung pur und das Abenteuer Polocrosse weiterlesen

Ingrid Klimke – beim schnellsten Galopp ihres Lebens

von Katharina Luz

Wir brechen zu unserer inzwischen 3. gemeinsamen Reise mit Ingrid Klimke auf. Ein bisschen aufgeregt bin ich immer, aber so langsam bekomme ich doch Routine.
Diesmal geht es wieder nach Südafrika, an die Wild Coast zu Julie-Anne – raue See, lange Strände und schnelle Pferde. Für mich ist es dort ebenfalls das erste Mal, ich bin also auch schon sehr gespannt, was uns dort erwartet!
Wir fliegen nach Johannesburg und von dort noch kurze 1,5 Stunden nach East London. Mit dem Transfer geht es weiter nach Kei Mouth direkt an die Küste. Und dort erwarten uns ersteinmal viele Wolken und Regen! Na toll, das ist ja fast wie letztes Jahr in Botswana!

Ingrid Klimke – beim schnellsten Galopp ihres Lebens weiterlesen

Ride & Work – Wait A Little

von Rebecca Hoch

Mein  Leben auf ´Wait A Little`

Wow, wo soll ich bloß anfangen… als ich gefragt wurde ob ich einen Reisebericht über meinen dreimonatigen Aufenthalt in Südafrika auf ´Wait A Little` schreiben könne, war ich natürlich Feuer und Flamme. Doch schnell kam mir der Gedanke: „ Wie soll ich denn all meine Erlebnisse in diesen wundervollen drei Monaten in einen nicht allzu langen Artikel bekommen? Und vor allem, wie  soll ich den Lesern das Gefühl vermitteln, welches mich begleitete während ich nur wenige Meter entfernt von Elefanten, Löwen, Nashörnern, Giraffen und Co auf dem Pferderücken saß  – denn das ist schlichtweg nicht möglich! Dazu müsst ihr schon selbst einmal zu Gerti und Philip nach Südafrika reisen;) Doch fürs Erste will ich nun versuchen, euch bestmöglich mein Leben in Südafrika zu schildern. Ride & Work – Wait A Little weiterlesen

Ingrid Klimke – eine Buschreiterin im Busch

von Katharina Luz

Ein bisschen aufgeregt war ich ja schon – eine Woche Safari bei Gerti und Philip mit Ingrid Klimke… DER Ingrid Klimke – Olympiasiegerin, Europameisterin, Deutsche Meisterin, Westfälische Meisterin, unzählige Siege und Platzierungen in Vielseitigkeits-, Dressur- und Springprüfungen also erfolgreicher geht’s eigentlich kaum und ich mitten drin oder besser hinten dran, als Back Up-Reiter und Paparazzi! Ingrid Klimke – eine Buschreiterin im Busch weiterlesen

Ant´s Nest und Ant´s Hill – ein Paradies für Klein und Gross.

von Kerstin Angerbauer

Endlich geht es in die afrikanische Sonne… wir fliegen nach Johannesburg – mit meiner Tochter Maya will ich Ant´s Nest & Ant´s
Hill entdecken und auf Familientauglichkeit testen.
Nach einem entspannten Flug übernehmen wir in Johannesburg unseren Mietwagen und machen uns auf den Weg Richtung
Norden in die Waterberg Region. Ant´s Nest und Ant´s Hill – ein Paradies für Klein und Gross. weiterlesen