Ride & Work at Kaapsehoop Horsetrails – mein Leben als Volontärin

von Jana S.

Am 12.09.2017 war es soweit für mich. Meine zweimonatige Reise nach Südafrika, die ich bereits Monate zuvor geplant hatte, ging endlich los. Das erste Mal in meinem Leben war ich alleine unterwegs und gleich in ein so weit entferntes Land. Ein bisschen Angst hat es mir schon eingejagt, wenn ich ehrlich bin. Denn auch wenn man weiß, wo man hinreist und was man wohl machen wird die meiste Zeit, eigentlich hat man ja doch keine Ahnung, worauf man sich genau eingelassen hat.

Entsprechend fertig mit meinen Nerven war ich auch, als ich in Kaapsehoop ankam, wahrscheinlich eine Mischung aus Erschöpfung von der langen Anreise und die Erleichterung endlich in meinem neuen Zuhause zu sein. Ich wurde sofort freundlich von Leon, dem die Farm mit gehört, Mariska, die die Ritte und Übernachtungen der Gäste organisiert und den beiden anderen Volontärinnen begrüßt. Wir Drei wohnen in einem kleinen Häuschen neben dem von Mariska und Leon, welches zwei Zimmer und ein Bad hat. Während die Anderen für die nachmittägliche Arbeit wieder zum Stall gefahren sind, hatte ich Zeit für mich, um etwas zu essen, zu duschen, auszupacken und richtig anzukommen.

Am nächsten Morgen im Stall habe ich dann auch Christo und Donovan kennengelernt. Christo ist der Chef der Farm und alle Pferde trainiert er mit dem Prinzip des Horsemanship und Donovan betreibt das kleine Restaurant „Saddle Up Eatery“, welches direkt auf dem Hof ist. Seine Burger und Pommes sind wirklich köstlich, wir haben bei ihm an einigen Tagen auch mal Mittag gegessen.

Unser Tag beginnt sehr früh, da es um 6:45 Uhr in den Stall geht und man vorher natürlich gestärkt und fertiggemacht sein muss, denn hungrig und im Schlafanzug arbeitet es sich am Stall eher schlecht. Außerdem sind meistens Gäste da und wir müssen schließlich ordentlich und fit aussehen. Zuerst werden die beiden Hengste und manchmal noch ein paar weitere Paddockpferde gefüttert, Wasser wird aufgefüllt und bei Bedarf auch Heunetze. Manchmal hatten einige Pferde Verletzungen, die wir dann im Anschluss versorgt haben. Je nachdem, ob ein Ritt mit Gästen geplant war oder nicht, haben Christo und Leon in der Zeit die Pferde mit dem Motorrad in den Paddock getrieben, denn nachts leben die Pferde komplett frei. Da kommt es auch mal vor, dass eine kleine Gruppe sich mit den echten Wildpferden, die in dem Gebiet leben, zusammentun und eine Zeit lang mit denen herumziehen. In der Regel kommen aber alle Pferde gern zum Hof, denn dort gibt es Wasser, Futter und Kuscheleinheiten.

Wenn es dann soweit ist, putzen wir die Pferde gründlich und bevor sie gesattelt werden, „blowen“ wir sie. Dabei werden mit so einer Art Hand-Laubbläser Staub und lose Haare aus dem Fell gepustet, damit die Pferde wirklich sauber werden und um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Ebenso trensen wir alle Pferde, wir satteln aber nur unsere eigenen, die anderen werden von Mariska gesattelt. In 99% der Fälle sind immer alle Volontäre auf die Ritte mitgekommen, auf denen wir dann dafür gesorgt haben, dass alle Pferde in einer Reihe bleiben und nicht den Anschluss verlieren. Je nachdem wie erfahren die Gäste sind, machen wir entweder nur einen einstündigen Schrittritt oder aber auch einen zweistündigen Ritt, bei dem das Traben und Galoppieren nicht zu kurz kommen. Bei jedem Ritt allerdings kann man die wunderschöne Landschaft bewundern, wenn man am Escarpment dicht neben dem Abgrund entlang reitet. In meiner Zeit in Kaapsehoop bin ich von diesem Ausblick nicht müde geworden, da es wirklich einfach nur atemberaubend ist. Die von uns Volontären gerittenen Pferde sind meistens jung und noch unerfahren. Unsere Aufgabe dabei ist, sie auf das Leben als Trailpferd vorzubereiten, ihre Rittig- und Achtsamkeit zu verbessern und ihnen die noch fehlende Routine zu geben. Trotz dieser Tätigkeit kann man die allermeiste Zeit die Ritte sehr genießen, sich entspannen und Spaß haben.

Die Rassen dort sind bunt gemischt, vom Kinderpony bis zum Shire-Mix ist wirklich für jeden etwas dabei. Man reitet jedes Mal ein anderes Pferd, ich habe in meiner Zeit die komplette Bandbreite durch. Reiterlich hat mir das auf jeden Fall weiter geholfen, lustig war es ein schmales Pony und ein großes, stämmiges Pferd am selben Tag zu reiten.

Wenn wir nach einem Trail wieder am Stall sind, geht die Arbeit erst richtig los. Alle Pferde müssen von uns angebunden, abgesattelt und abgetrenst und das ganze Equipment an den richtigen Platz gebracht werden. Danach hat einer von uns Volontären schon mal die Gebisse ausgewaschen, während die anderen die Pferde abgebürstet haben. Nachdem die Pferde ihr verdientes Futter aufgefressen haben, geht es für sie auf den Paddock und falls es am selben Tag noch einen weiteren Ritt gibt, geht die ganze Prozedur wieder von vorne los. In meiner Zeit hatten wir meistens nur einen Ritt am Tag und haben dann meist noch etwas gechillt, bis wir meist so gegen 12 Uhr zum Mittagessen nach Hause gefahren sind. Gegessen wird in der Küche bei Mariska und Leon, meistens gibt es Reste vom gestrigen Abendessen. Ansonsten haben wir uns Sandwiches, Müsli, Fruchtsalat oder auch mal ein Omelett gemacht. Nach einer Mittagspause ging es dann zurück in den Stall, wo wir meistens noch irgendwelche anfallenden Arbeiten erledigt haben. Dadurch war das Nachmittagsprogramm meist eine Überraschung, welche wir erst im Laufe des Tages erfahren haben. Manchmal haben wir Äste von Reitpfaden weggeräumt, alte Stacheldrahtzäune nahe der benachbarten Community ausgerissen, damit die Pferde nachts dort nicht hineingeraten oder dabei geholfen, ein Flächenstück am Hof zu begrünen. Allerdings war längst nicht jeden Tag so eine körperliche Anstrengung gefordert, obwohl mir diese Dinge sehr viel Spaß gemacht haben.

An anderen Tagen haben wir mit jungen, neuen und teils auch noch wilden Pferden gearbeitet. Eines Tages ist nämlich ein junges Pferd „nach Hause gekommen“, nachdem es sich über ein Jahr lang den Wildpferden angeschlossen hatte und eines ist mitgekommen. Mit beiden durften wir unter Anleitung arbeiten, sie im Ring aufhalftern, sie an das Führen und Bürsten gewöhnen. Dass uns dieses Vertrauen entgegengebracht wurde, hat mich unglaublich gefreut, denn dadurch konnte nicht nur das Pferd, sondern auch wir viel lernen. Ich hatte Zuhause schon einige wenige Erfahrungen mit Horsemanship gemacht, aber es war wirklich toll zu sehen, wie schnell und fair man mit dieser Methode auch bei vorher wild lebenden Pferden zum Erfolg kommt. Spannend war es auch Christo beim Einreiten zuzugucken, durch reines Zuschauen kann man bekanntlich auch sehr viel mitnehmen.

Feierabend ist normalerweise um 16 Uhr. Wir sind wieder zum Haus gefahren, haben geduscht und uns ausgeruht, bis es gegen 18 Uhr Abendessen gab. Dies wurde normalerweise von Mariska oder Leon zubereitet, wir haben manchmal noch einen Salat gemacht, aber meistens waren wir darin nicht involviert. Gegessen wurde dann gemeinsam im Wohnzimmer auf der Couch, während wir Fernsehen geschaut haben. Zu essen gab es fast immer etwas mit Nudeln, Kartoffeln oder Reis und Fleisch war eigentlich immer dabei. Diese Kohlenhydrate sind natürlich auch wichtig bei der täglichen Arbeit, auch wenn das für mich eine Ernährungsumstellung war, jeden Abend etwas „schweres“ zu essen. Es hat auch ein bisschen gedauert, bis sich mein Körper darauf eingestellt hatte. Mariska und Leon sind auch meist kurz nach dem Essen schlafen gegangen und wir durften dann noch länger fernsehen, allerdings sind wir meistens auch nicht viel später im Bett gewesen. Im Normalfall war mein Licht auch spätestens um 21 Uhr aus, teilweise aber auch noch früher, damit ich am nächsten Morgen nicht übermüdet war.

Langeweile kam nie auf, denn jeder Tag verlief anders. Manchmal wenn schlechtes Wetter war und/oder es nichts für uns zu tun gab und Leon in das ca. 40 Minuten entfernte Nelspruit gefahren ist, hat er uns mitgenommen. An diesen Tagen hat er uns in einer Mall abgesetzt, wo wir dann genug Zeit hatten um Süßigkeiten einzukaufen, zu shoppen, was Leckeres zu essen oder zum Beispiel bowlen zu gehen. Denn in der Mall befinden sich neben normalen Geschäften auch eine Bowlingbahn, ein Kino und sogar eine Eisbahn.

Meine zwei persönlichen Highlights waren allerdings zwei ganz andere Tage! Leon besitzt nämlich zusätzlich noch ein Safariunternehmen, wo er für uns einen Tagesausflug für die Panoramatour und in den Krüger-Nationalpark organisiert hat. Die Panoramatour besteht aus vielen natürlichen Sehenswürdigkeiten, zu denen verschiedene Wasserfälle, der Blyde River Canyon mit den „Three Rondavels“ und auch „God’s Window“ gehören. Am meisten beeindruckt haben mich aber „Bourke’s Luck Potholes“ zu deutsch „Bourkes Glücks-Strudellöcher“ beeindruckt! Dieser Tag war wunderschön, welcher eigentlich nur von der Safari im Krüger-Nationalpark getoppt wurde, welchen wir drei Volontäre mit Cassandra, unserem Guide, verbracht haben. Sie konnte uns zu jedem Tier, welches sie oder wir entdeckt hatten, etwas Spannendes erzählen und wir haben wirklich viele Tiere gesehen. Darunter waren bis auf den Leoparden auch die Big 5.

Ein weiterer, besonderer und ein vielleicht etwas kurioser Moment war, als wir am Stall Sattel und Trense eingepackt haben und damit in den Wald gefahren sind, um nach zwei Gruppen von Pferden zu suchen, die seit über zwei Wochen nicht am Stall waren. Ich sollte mit einer anderen Volontärin eine Gruppe von drei Pferden an den Stall reiten, wobei das dritte Pferd mitlaufen sollte. Gefunden haben wir die drei zusammen mit einem Wildpferd, unsere Pferde ließen sich auch sofort unkompliziert einmal überbürsten, satteln und trensen. Mir wurde dabei die Ehre zuteil, Leons Pferd Louis reiten zu dürfen, bis dato das größte Pferd, auf dem ich je saß, da ich aufgrund meiner Körpergröße sonst eher auf Ponys unterwegs bin. Auf dem Rückweg ist uns das Wildpferd auch noch einige Zeit lang in sicherem Abstand gefolgt, bis es irgendwann im Wald verschwunden ist. Der Kleine tat mir auch ein bisschen leid, aber es nützte ja nichts. Die Erfahrung gemacht zu haben, wie unglaublich entspannt und brav Louis und die anderen beiden waren, war einfach unglaublich toll und es hat riesigen Spaß gemacht, so ein Pferd alleine reiten zu dürfen, nachdem ich selbst auch erst eine Woche in Kaapsehoop war.

Die sechseinhalb Wochen in Kaapsehoop gingen viel zu schnell vorbei und so kam es, dass auch mein Abschied immer näher rückte. In dieser Zeit habe ich sehr viel über Südafrika, die Menschen dort und auch über Pferde gelernt und ich bin definitiv eine bessere Reiterin geworden. Nicht, weil ich viel Unterricht bekommen habe, sondern weil ich in kurzer Zeit mit den verschiedensten Pferden arbeiten und dadurch ein besseres Gefühl für das Pferd und die Verfeinerung der eigenen Hilfen erreichen konnte.

Meinen Abschied erleichtert haben mir der Umstand, dass ich nicht direkt zurück nach Hause geflogen bin, sondern noch einen Kapstadturlaub auf eigene Faust angehängt habe und die Tatsache, dass ich nicht für immer diesen Ort verlassen habe. Ich habe mir selber versprochen, zurückzukehren, um diese kraftvolle Ausstrahlung und Ruhe, die dieser Platz mit sich bringt, wieder spüren zu können. Ich war glücklich und habe einen Sinn in meinem Dasein und Tun gefunden, den ich hier in Deutschland immer noch suche. In diesem Sinne „Baai“ (Afrikaans für „Tschüss“) und ich hoffe bald wieder in diesem facettenreichen Land sein zu dürfen.

Hier gibt es alle Infos zum Ride&Work Programm bei Kaapsehoop und hier geht es zu den Reitsafaris von Kaapsehoop