Europameisterin, FEI Rider of the Year und Winner of the Damara Safari Race – Ingrid Klimke ist einfach unschlagbar

von Katharina

Nachdem unser letztjähriger Trip in die Wüste uns alle so tief beeindruckt hat, hatten wir noch vor Ort beschlossen, im nächsten Jahr wiederzukommen. Selbes Team, andere Route aber die „normale“ Länge von 11 Tagen, um die Großartigkeit des Rittes in voller Länge auskosten zu können.

Gesagt getan, machen sich Team Süd-Ost, Süd-West und Mitteldeutschland auf den Weg Richtung Frankfurt um gemeinsam nach Windhoek zu fliegen.

Ich bin guter Dinge, ich habe die Zugfahrt mit 2 Freundinnen geplant, deren Karma eher im schlechten Wetter liegt und auf keinen Fall in der Unpünktlichkeit, so dass ich mir sicher bin dieses Mal ohne Zwischenfälle in Frankfurt anzukommen.
Ich fahre also pünktlich in Reutlingen los, ich habe die schnelle Verbindung ohne Zwischenhalt gewählt, sicher ist sicher, und schaue dem ICE nach Frankfurt ungläubig zu, wie er ohne mich gemächlich aus dem Bahnhof in Stuttgart rollt…. Selbstverständlich mit meinen zwei Mädels an Bord…. Ganz ehrlich, ich nehm‘ das langsam persönlich. Das kann doch nicht ernsthaft wahr sein? Wir hatten kein einziges Mal angehalten und trotzdem 15 Minuten verbummelt. Wo ist denn der bitte lang gefahren?? Selbstverständlich hat der nächste ICE (eine Stunde später) ebenfalls Verspätung, so dass ich den Anschluss in Mannheim ebenfalls verpasse und letztendlich anstatt um 15 Uhr um 17.15 Uhr in Frankfurt ankomme.
Am Gate werde ich von einem bärtigen Mann in Englisch angesprochen und ich frage mich, was er von mir will. Wo wir solange bleiben, er warte schon ewig…. Kennt ihr das, wenn ihr jemanden in einer Umgebung trefft, wo derjenige überhaupt nicht hingehört? Und du nur denkst „Wer zum Henker bist du? Und was willst du von mir?“ Es ist Henning, Barbaras Mann und Mitbesitzer von Namibia Horse Safari. Nachdem er in Europa unterwegs war, hatte er beschlossen mit uns zurück nach Namibia zu fliegen. Er lacht sich kaputt über mein Gesicht und ich freu‘ mich tierisch ihn zu sehen!

 

 

 

 

Selbstverständlich hat der Flieger eine Stunde Verspätung, keine Ahnung warum. Eins ist aber so klar wie Klossbrühe, wenn ich so weiter mache, will mit mir bald keiner mehr verreisen.
Wenigstens kommt von allen das Gepäck an, das hatten wir ja auch schon anders.
Am Flughafen in Windhoek treffen wir dann auch Andrew und schon gehts los Richtung Swakopmund.

Nach einer kurzen Runde chillen, treffen wir uns abends alle zum Briefing und auf unseren ersten Gin Tonic. Hach schmeckt der gut!

Es folgt die übliche Vorstellungs- und Pferdewunschrunde – meine kleine Polca von letztem Jahr ist leider in Rente und so wird Jubela mein Paparazzi-Pony werden. Ich bin schon sehr gespannt auf ihn.

Zum Dinner gehts runter ans Meer zu frischgefangenem Fisch und anderen Leckereien. Da in Namibia viele Menschen reiten und auch deutschen Hintergrund haben, dauert es natürlich nicht lange bis jemand Ingrid erkennt und nach einem Autogramm fragt. Ich denke in der Wüste wird das dann weniger das Problem sein.

Am nächsten Morgen hängen alle nochmal wie die Junkies am Handy, die nächsten 9 Tage werden wir keine Verbindung mehr haben. Und dann starten wir mit dem Auto Richtung Norden und Skeleton Coast. Immer geradeaus… so geradeaus, dass mir nicht mal schlecht wird, wenn ich ein Buch lese… das will was heißen!
Unterwegs machen wir Halt am Cape Cross Seal Reserve – einem riesigen Robbenreservat. Bis zu 250.000 Robben können hier angetroffen werden.
November ist Babyzeit und wir erleben tatsächlich mehrere Robbengeburten!
Es ist allerdings nichts für Zimperlieschens hier – abgesehen vom abartigen Gestank, gehen Robbenmütter nicht gerade liebevoll mit ihren Babies um. Zudem kommt es bei der Menge an Tieren zum einen oder anderen Tod, was den Geruch selbstverständlich nicht besser macht und auch die Ignoranz der lebenden Tiere gegenüber den verendeten Tieren ist schon eher schockierend.

Zur Mittagszeit kommen wir dann im Camp St Nowhere an – der Name ist Programm, hier ist außer dem Camp gar nix, so überhaupt nix. Außer unseren Pferden, die warten in einem großen Paddock auf uns. Und die wollen aber auch nix von uns wissen.

Das restliche Team ist ebenfalls hier.
Rayne – sie kocht für uns unfassbar leckere Mahlzeiten
Collin & Nelson sind wieder mit von der Partie und sorgen für alle anderen Annehmlichkeiten (Schlafen, Duschen, sonstiges)
Telané sorgt wieder für das Pferdewohl
Nur Phoebe ist nicht mehr mit dabei, sie hat es zurück in die Heimat nach Australien und zu ihrer Familie gezogen.
Außerdem ist Barbara wieder mit von der Partie sowie Henning, ihr Mann, und Jac, ihr ältester Sohn (er ist aber erst 13 Jahre alt).

Nach einem leckeren Mittagessen bekommen wir unsere Pferde zugeteilt und versuchen sie mehr oder weniger erfolgreich vom Paddock einzufangen.
Dann wird gesattelt und los geht’s! Und zwar erst mal ans Meer. Namibia ist schon irre, da ist dieser Wahnsinnsozean mit seinem vielen Wasser und doch ist es eins der trockensten Länder der Erde und man kann das Wasser nur nutzen, wenn man es aufwendig entsalzt.

Unser Weg führt uns nach kurzer Zeit ins Landesinnere zu unserem ersten Camp für die Nacht.
Es windet so krass, dass uns fast die Pferde davon fliegen – zum Glück können wir sie an der Picket Line festbinden 😉
Die erste Nacht ist grandios, wir Wiederholer freuen uns schon so irre auf dieses abnormal gemütliche Bett, wir würden am liebsten gleich schlafen gehen. Man muss das echt mal selbst erlebt haben, selbst bei frischem Wind ist es einfach so unfassbar kuschelig, zum Durchdrehen.

Am nächsten Tag geht unser Ritt dann so richtig los – wir starten jeden Tag gegen 8 Uhr und reiten zwischen 30 und 40 km, aufgeteilt auf 2 Etappen. Die längere Strecke reiten wir meist Vormittags, unterbrochen von einer kleinen Pause.
Zum Mittag treffen wir dann wieder die Versorgungsfahrzeuge und Mensch und Tier bekommen Essen und Trinken und ein wenig Ruhe – tatsächlich legen die Pferde sich in der Mittagspause an der Picket Line für ein Nickerchen auch gerne hin und schlafen. Wir dagegen hängen eher unelegant im Stuhl. Beweisfotos sind selbstverständlich unter strengem Verschluss 😉

Meist sind wir dann gegen 17 Uhr im Camp für die Nacht, wo wir zuerst unsere Pferde versorgen, sprich absatteln, wälzen lassen, tränken, füttern und putzen. Danach gibt’s auch für uns Zweibeiner was zu trinken und ein paar kleine Snacks und dann, ja dann, geht die Jagd auf die Dusche los. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie toll 20 Liter warmes Wasser nach einem langen Ritt in der Wüste sein können.
Das Abendprogramm ist daher eher stressig und will wohl geplant sein, Zeitoptimierung ist hier angesagt – wer zulange trödelt, ein Bier mehr als die anderen trinkt, der muss im Dunkeln duschen oder Katzenwäsche machen 😉
Da´s dann aber eh dunkel ist, fällt es keinem auf, wenn man nicht geduscht hat und die riechbaren Beweise übertüncht der Geruch vom Lagerfeuer.

 

 

 

 

Unser Weg führt uns 9 Tage lang durch die wunderschönste Landschaft mit den bizarrsten Felsformationen, durch das Flussbett des Ugab Rivers, lange Zeit haben wir den Brandberg – Namibias höchsten Berg – im Blick, wir reiten durch Gegenden wo wahrscheinlich noch nie ein Mensch entlang gekommen ist.
Andrew orientiert sich lediglich an Koordinaten und seinem GPS – in der Wüste funktioniert das prima, wenn du aber in einem Flussbett bist und da wieder raus musst, dann ist Telané mit der Karte und dem Auto doch ganz hilfreich – an der ein oder anderen Stelle fährt sie voraus und schaut, ob wir durchkommen (könnten). Im Grunde folgen wir in solchen Fällen den Wildpfaden der Wildtiere.

Im Ugab Flussbett leben etwa 150 Löwen, Elefanten, Nashörner, Zebras und noch so einiges andere.
Entsprechend spannend ist es dann auch, als wir den Fluss (nicht dass wir uns missverstehen – der Fluss hat so gut wie nie Wasser, ich spreche also von einem trockenen Flussbett) durch hohes Schilf queren müssen und man natürlich nicht so genau weiß, was da in dem Schilf so alles drin sitzt.
Naja, wir haben uns ja Abenteuer im Sattel auf die Fahne geschrieben, also keine Beschwerden bitte.
Da es in dem Teil in dem wir reiten aber unglaublich trocken ist, kann Andrew uns etwas beruhigen – die Tiere sind mehr Richtung Flussmündung gewandert, weil dort noch ein mini bisschen Vegetation ist. Wir kommen also unbeschadet auf die andere Seite und freuen uns über Nashorn- und Elefanten-Köttel, immer in der Hoffnung, dass wir vielleicht doch noch das ein oder andere Tierchen sehen. Ich kann es aber schon mal vorweg nehmen – außer Barbara, die bei der Nachtwache ein Leopardenweibchen verscheucht, sehen wir keine Tiere. Das ist aber auch nicht schlimm, die Natur ist so krass, dass Tiere nur noch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen wären.

Wie auch schon in der Namib, ist die Landschaft im Damaraland so unglaublich vielfältig und ändert sich eigentlich alle paar Kilometer. Vom schilfigen Flussbett, über raue Canyons mit den bizarrsten Felsformationen, über Gegenden in den es aussieht, als hätte ein Riese hier seine private Schutthalde bis hin zu weiten Ebenen die – wie könnte es auch anders sein – zu einfach nur geilen (sorry!) Galoppaden einladen.
Vom gesitteten Canter über Cavalry Charge (alle reiten Schritt, Trab, Galopp in einer Reihe, dann gibt Andrew das Zeichen und alle düsen los so schnell sie können, wichtig dabei ist, dass man laut juchzt und lacht und Spass hat), ein paar richtig schnellen Flatouts bis hin zum Damara Safari Race in einem Flussarm des Ugabs. Ich sags euch, wenn man da mal genauer drüber nachdenkt, ist das schon echt verrückt. Da ist einfach gar nichts und niemand, da war vermutlich auch noch nie jemand – Autospuren sieht man in dem Terrain noch Jahre später, da sind aber keine – und wir machen auf dem perfektesten Boden den man sich so vorstellen kann, ein Rennen. Die Pferde gehen ab wie Schnitzel, wer gewinnt könnt ihr euch ja denken. Ingrids Stute Keyla ist eine Trakehnerstute und soooo krass schnell, haha, da treibts selbst der Ingrid die Tränen in die Augen vom Fahrtwind.

Sie wechselt später dann noch auf einen von Barbaras Arabern, der ist auch mal ultra schnell.
Karla Kolumna , also ich, ist natürlich immer am Start mit Bildern und Videos und während abends am Feuer alle die Schnelligkeit des Arabers bewundern, der alle anderen abhängt, schmunzel ich still in mich rein – es fällt keinem auf, dass die Videos und Bilder immer von der Seite sind….
Leute ich sags euch, Polca hat einen würdigen Nachfolger bekommen. Ich hab den kleinen Jubela am Anfang wirklich unterschätzt, klein und weiß, etwas gedrungen kam er da um´s Eck, eher unscheinbar. Bis ich das erste Mal „Küsschen“ (kennt ihr, oder? Nicht Schnalzen, sondern das andere, wie wenn man halt jemand nen dicken Schmatzer gibt.) gemacht hab. Heidewitzka, da hat´s mich fast hinten runter genommen, so hat der einen Antritt. Der wird von Tag zu Tag schneller und hat hier draußen in der Wüste einen Job zu erledigen, der macht keine Gefangenen, das sag ich euch. Was für ein Pferd! Was für eine Ehre so einen Wüstenprofessor reiten zu dürfen!

Jetzt liest sich das ja schon so, als ob wir die ganze Zeit wie bekloppt durch die Wüste ballern, stimmt natürlich nicht! Die meisten Galoppaden sind gesittet und „don´t overtake the guide“. Und wer nicht losballern will, muss das auch nicht tun. Die Pferde sind so mega gut erzogen, dass du jeden ohne Probleme zurückhalten kannst, wenn du nicht schnell galoppieren willst.
Und dann wird zwischendurch natürlich auch viel Schritt geritten – weil es zum Beispiel sooooo bergab geht, dass die Pferde fast auf dem Popo runterrutschen, aber auch da, trittsicherer geht’s nimmer.

Je näher das Ende unseres Rittes kommt, desto näher kommen wir auch wieder dem Meer und irgendwann ist es einfach da! Wie schon zu Beginn ist es riesig, rau und imposant – warum sollte sich das auch geändert haben 😉 Wir lassen uns eine Sanddüne runterrutschen, so dass wir direkt am Strand reiten können.

Klar, dass jeder erstmal versucht ins Wasser zu kommen – Jac schafft es als erster, nur leider ohne sein Pferd 😀 als die Welle Rexi an die Beine platscht, macht der nen australischen Abgang – in Känguruhmanier hüpft er davon, aber Jac nimmts gelassen und krabbelt tapfer wieder rauf auf sein Pony.

Der Strand ist so gut wie leer, ein paar Angler, ein paar Robben und perfekter Boden zum reiten. So ein Strandritt hat einfach auch was, das kann man echt nicht leugnen. Wie ein geiler Sandplatz nur in riesig.

Unser Ziel ist Henties Bay, ein kleiner Ort 70km nördlich von Swakopmund. Im örtlichen Reitverein satteln wir zum letzten Mal unsere Pferde ab, hängen ihnen zum letzten Mal ihre Futterbeutel um und streicheln ihnen zum letzten Mal über ihre Zuckerschnütchen.
Die Pferde chillen jetzt erst mal ne Runde und fahren dann morgen ganz früh Richtung Windhoek zu Andrew auf die Farm, von wo aus sie in eine wohlverdiente, mehrmonatige Sommerpause gehen.

Und wir verbringen die letzte Nacht in einem endgeilen Strandhaus! Das ist so mega, dass wir uns in unserer staubigen Wüstenkluft total fehl am Platz fühlen und erst mal duschen gehen.
Und Rayne ist mit soviel Küche und Küchengeräten auch total überfordert, sie legt erst mal den Geschirrspüler lahm.

Der letzte Abend ist fröhlich, ausgelassen, melancholisch, einfach alles zugleich. Ich habe mich noch mehr in dieses unwirtliche Land verliebt, das Team um Andrew ist zu Freunden geworden, die Pferde verdienen einfach nur meinen allertiefsten Respekt und dieser Ritt hat mir wieder mal vor Augen geführt mit wie wenig man eigentlich auskommen kann und wie frei man sich fühlt, wenn man für 10 Tage mal all den 1. Welt Luxus hinter sich lassen kann.

Nachtrag: 3 Tage nach unserer Abreise hat es nach 9 langen Jahren endlich mal wieder richtig geregnet in Namibia. Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten ist nicht vorbei, aber durchbrochen und 2020 wird allen Besuchern und Bewohnern ein grünes Namibia bescheren. Ein Erlebnis was es so oft nicht gibt. Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

Hier geht´s zum Damara Elephant Trail
Hier geht´s zum Namib Wüstenritt
Hier geht´s zur Desert Canyon Safari
Hier geht´s zur Wild Horses Safari

und wer nicht soviel Zeit hat, kann den Wüstenritt Kompakt in einer Woche machen