Wenn Kinderträume wahr werden – einmal im Leben muss ein Pferdemädchen nach Island!

Oder auch öfter, denn ich kann euch gleich vorab sagen, das war nicht mein letztes Mal auf der Insel aus Feuer und Eis.

Wobei, vielleicht doch, denn eigentlich habe ich bald keine Lust mehr mit mir zu verreisen, es hat einfach immer alles Verspätung, wenn ich mit mir unterwegs bin. Das macht so langsam echt keinen Spass mehr.

Ich starte schon mit Verspätung in Reutlingen, verpasse selbstverständlich meinen ICE in Stuttgart, komme mit dem nächsten ICE verspätet in FFM an, der Shuttlebusfahrer zu Terminal 2 hat natürlich alle Zeit der Welt und ich schubbse meinen Koffer gerade noch so in die Gepäckaufgabe – 10 Minuten bevor diese schließt. Also das war jetzt auch mir – ich gehöre zur Sorte Letzter-Drücker ist schon noch ok – ne Spur zu viel. Aber egal, ich komme just-in-time und kann direkt am Gate anstehen. Joa und dann, dann fliegen wir doch tatsächlich mit 1 Stunde Verspätung los…. Puh echt ey, meinen Anschluss in Reykjavik nach Akureyri sehe ich schon schwinden, ABER, eins muss man mir ja lassen – das mit der Verspätung hab ich echt drauf. Selbstverständlich hat auch der Flieger nach Akureyri Verspätung und ich schaffe es doch tatsächlich bis ans Ziel….

Ich fliege zum ersten Mal mit Icelandair und Air Iceland Connect und bin total begeistert – man hat angenehm Platz, jeder hat einen Bildschirm mit USB-Anschluss, es gibt für 4,- Euro WLAN während des Flugs, für die Verspätung bekomme ich sogar einen Essensgutschein und die Mädels im Flieger sind unglaublich nett und zuvorkommend.

Der Anflug auf Akureyri ist spannend – wir kommen über den Fjord rein und setzen gefühlt 1m nach der Wasserkante auf.

Juliane und Stephan holen mich ab und sind tiefentspannt, wenn man auf Island lebt ist man es offenbar gewohnt, dass Leute zu spät, gar nicht oder irgendwann ankommen. Ich beziehe mein Zimmer in einem der Sommerhäuser und werde gleich am ersten Abend mit Polarlichtern belohnt. Wie abgefahren! Der ganze Himmel ist grün! Sowas verrücktes, leider sieht man auf meinem einzigen geglückten Bild nicht, wie toll es in Wirklichkeit aussieht. Schon der erste Grund, warum ihr unbedingt mal selbst nach Island reisen solltet.

Am nächsten Morgen lerne ich dann alle Mädels die derzeit auf dem Hof mithelfen kennen und darf das erste Mal reiten. Wider aller Prophezeiungen diverser Menschen in meinem Umfeld, ist es alles andere als den ganzen Tag dunkel und dazuhin habe ich noch eine Woche mit super Wetter erwischt – es ist wärmer als zuhause. Im Februar wird es gegen 8 Uhr hell und gegen 19.30 Uhr dunkel und dazwischen ist es ganz „normal“ hell, wie bei uns auch. Aber das mit der Sonne, die nie untergeht im Sommer, das will ich schon auch mal noch erleben. Sie dopst dann nur für einen kurzen Moment auf dem Meer auf und geht dann sofort wieder hoch.

Ich bin noch nie getöltet und meine ersten Versuche darf ich auf Nagli machen, er töltet fast von allein, so dass ich mich erst mal an das Gefühl gewöhnen kann. Und das ist unbeschreiblich – es bewegt sich einfach gar nichts unter einem, man könnte stundenlang so reiten, weil es überhaupt nicht anstrengend ist. Die nächsten Tage versuche ich mein Glück auch noch mit anderen Pferden, aber so einfach ist das gar nicht und ich freue mich tierisch, wenn ich es schaffe den Tölt „einzuschalten“.


Um diese Jahreszeit ist nur eine kleine Herde Pferde für Stundenritte am Hof, sowie die Jungpferde, welche vor dem großen Trubel im Sommer trainiert werden, die große Herde (140 Pferde) steht den ganzen Winter auf einer riesigen Weide und ruht sich für den kommenden Sommer und die längeren Touren aus. Was für ein traumhaft tolles Leben – sie sind so freundlich und zufrieden mit sich und der Welt, das ist wirklich zu beneiden. Auch wenn ihnen der Wind ganz schön um die Ohren pfeift, aber sie haben ja ein seeeehr dickes Fell.

Außer den 160 Pferden gibt es noch ca. 300 Schafe auf dem Hof – die klassischen Islandschafe, aus deren Wolle die berühmten Pullis gestrickt werden.

Damit ich auch ein bisschen was von Island zu sehen bekomme, nimmt Stephan sich die Zeit und macht mit mir und 2 der Mädels (Ride & Work Island) einen Ausflug an den Myvatn, den sogenannten Mückensee. Unterwegs halten wir noch am Godfoss, an einem Vulkankrater, an stinkenden Schlammfeldern und und und. Stephan weiß über alles Bescheid, kennt jeden Stein, jeden Krater, jede heiße Quelle und ist dazu noch super witzig. Man merkt ihm an, dass er sein Land und seine Pferde unglaublich liebt und nichts anderes machen möchte, als das, was er tut.

Je mehr ich von Island sehe (und rieche – ich sag nur Stinkeschlamm) um so mehr wird mir klar, dass ich das alles hier nochmal im Sommer, wenn alles grün ist und die Schafe auf den Weiden sind, am Liebsten zu Pferd, nochmal sehen und erleben muss.

Die Landschaft auf Island ist einfach nur atemberaubend, etwas anderes fällt mir dazu nicht ein – riesige Lavafelder, zerklüftete Felsformationen, von früheren Erdbeben aufgebrochene Erde, Gletscher, Seen, Wasserfälle, hier herrscht noch die Natur und nicht der Mensch. Einfach nur traumhaft schön!

Neben den offensichtlichen Schönheiten auf Island, gibt es auch einige Kuriositäten, die für einen Nicht-Isländer nur schwer zu greifen sind. Elfen und Trolle…. Während so gut wie alle Trolle versteinert sind, gibt es wohl noch einige Elfen auf Island. Um deren Belange und die der Menschen unter einen Hut zu bekommen gibt es in Reykjavik extra eine Elfenbeauftragte! Beim Bau von neuen Straßen oder Gebäuden wird beispielsweise immer darauf geachtet, dass nicht in Elfengebiet eingedrungen wird. Sollte dies doch der Fall sein, so wird die Elfenbeauftragte gerufen, um zu verhandeln und um beide Seiten zu hören und zu vermitteln. Wer unerlaubt in Elfengebiet eindringt, dort mäht oder baut, muss damit rechnen, dass ihm seltsame Unfälle passieren, die Maschinen kaputt gehen oder ähnliche nicht greifbare Ereignisse zustossen. Sogar in offiziellen Bauplänen werden Elfensteine (dort befindet sich eine Elfensiedlung) eingezeichnet!

Da ich außerhalb der Saison auf Island und bei PolarHestar bin, finden „nur“ Stundenritte statt und auch die nur, wenn es das Wetter und die Bodenbedingungen erlauben. Daher bleibt für mich Zeit auch „alles andere“ kennenzulernen – ich helfe Schafe füttern, darf mit Stephan auf einem anderen Hof Pferde holen (was ein wirklich lustiges und ereignisreiches Erlebnis ist, Pferdefang auf isländisch  ) und der Hufschmied kommt.

Viel zu schnell sind meine Tage bei Juliane und Stephan vorbei und ich muss wieder nach Hause. Mein Flieger geht in Akureyri um 8.25 Uhr. Als Julla mir sagt, dass wir um 7.15 Uhr losfahren bin ich etwas irritiert, aber sie meint, dann können wir noch in Ruhe einen Kaffee trinken. Woraufhin ich noch irritierter bin – fahren wir doch 30 Minuten zum Flughafen…. Einchecken, Sicherheitskontrolle, das übliche Prozedere läuft in meinen Kopf ab, aber ich denke mir, sie werden schon wissen was sie da tun und sonst bleib ich halt noch eine Weile, wenn ich meinen Flieger verpasse.

Und tatsächlich dauert es einfach mal 1 Minute zum einchecken. Die Dame am Counter will nicht mal meinen Pass sehen, den muss ich nur auf dem Weg zum Flieger zeigen! Wir haben tatsächlich ausreichend Zeit noch in Ruhe einen Kaffee zu trinken und zu quatschen.

Schweren Herzens verabschiede ich mich also von Stephan und steige in den Flieger nach Reykjavik. Hier solltet ihr unbedingt auf der linken Seite sitzen – der Ausblick ist phänomenal!!

Nach einer knappen Stunde Flug komme ich in der Hauptstadt an und habe mir noch 1 Tag zur Erkundung eingeplant – mein Heimflug geht erst am nächsten Morgen.

Was die Hauptstadt zu bieten hat – das könnt ihr in meinem nächsten Blogbeitrag lesen.

PolarHestar jedenfalls ist ein Ort mit wunderbaren Menschen, in sich ruhenden Pferden und zuckersüßen Schafen. Wer bei Juliane und Stephan zu Gast ist, erlebt Island pur und auf die allerallerschönste Art und Weise. Ich werde definitiv zurück kommen und mir diesen Traum noch in Farbe anschauen – wenn alles blüht, die Wiesen satt grün sind, die Schafe auf den Weiden grasen und unter mir ein zufrieden schnaubender Isländer fröhlich vor sich hin töltet.

Hier findet ihr alle Ritte und weitere Informationen.

Sommersonnenwende
Faszinierender Norden
Herbstfarben und Nordlichter
Zwischen Fjord und Elfental