Ingrid Klimke – eine Buschreiterin im Busch

von Katharina Luz

Ein bisschen aufgeregt war ich ja schon – eine Woche Safari bei Gerti und Philip mit Ingrid Klimke… DER Ingrid Klimke – Olympiasiegerin, Europameisterin, Deutsche Meisterin, Westfälische Meisterin, unzählige Siege und Platzierungen in Vielseitigkeits-, Dressur- und Springprüfungen also erfolgreicher geht’s eigentlich kaum und ich mitten drin oder besser hinten dran, als Back Up-Reiter und Paparazzi!

Aber die ganze Geschichte beginnt eigentlich viel früher. Die Hauptdarsteller: ein kerniger Brauner, eine Olympiasiegerin und ein Nashorn.
Der kernige Braune ist Hale Bob, genannt Bobby und weiß, dass seine Reiterin dringend mal Urlaub machen müsste, aber wie das bei vielbeschäftigten Menschen so ist, man muss sie vor vollendete Tatsachen stellen. Also beschließt Bobby kurzerhand das von pferdesafari und Wait A Little gesponserte Indoor Derby beim German Masters in Stuttgart zu gewinnen. Er saust über Baumstämme, durchs Wasser, vorbei an lebensgroßen Nashörnern, über den pferdesafari-Sprung und durchs Ziel mit null Fehlern und als Schnellster – Auftrag ausgeführt, Reiterin muss jetzt in Urlaub, sie hat nämlich einen gewonnen.

So nimmt die Geschichte ihren Lauf und im Februar 2013 ist es also soweit. Während Philip und Rainer die ganze Truppe, also Ingrid, ihren Mann Andreas und 4 Freunde der beiden, vom Flughafen in Hoedspruit abholen, wirbeln Gerti und ich noch durch die Zelte, verteilen hier ein paar Blümchen, dort ist noch ein Staubkörnchen – es soll alles perfekt sein für „unseren“ prominenten Gast und ihre Freunde.

Die beiden Landrover rollen auf den Hof und die Begrüßung ist einfach nur herzlich, kurzerhand werden wir von jedem gedrückt, es war von Anfang an, als ob wir alte Freunde wären.
Die Gäste beziehen ihre Zelte, es gibt einen kurzen Snack und eine Einweisung und dann geht’s auch schon los auf unseren ersten Ritt. Der Busch zeigt sich von seiner schönsten Seite, alles ist grün und blüht und wir sehen Giraffen, Impalas und Nashörner und beim Sundowner an gewohnter Stelle, kann man den aufgeregten Gesprächen lauschen, die so typisch sind für die erste Begegnung mit den Big Five zu Pferd – auch eine Olympiasiegerin ist nur ein Mensch.
Und dann wird es plötzlich nochmal spannend. Die Velvet Monkeys schlagen Alarm – machen sie eigentlich nur, wenn ein Raubtier in der Nähe ist. Und so wie die Alarm schlagen, muss es eine von den größeren Katzen sein, meint Philip. Also springen wir schnell nochmal auf unsere Pferde, um zu sehen was da los ist. Und was finden wir? Eine wunderschöne Gepardendame mit dickem, vollgefressenem Bauch, die da einfach im Grass sitzt und sich von uns so gar nicht stören lässt. Unglaublich und das alles beim ersten Ritt.

Wir verbringen unseren ersten gemeinsamen Abend und schnell wird klar, das wird eine tolle Woche mit netten, unkomplizierten Menschen und viel Spaß!

Nach einigen schönen Ritten auf Wait A Little, brechen wir am Samstagmorgen gut gelaunt und hochmotiviert nach Makalali auf. Die Pferde sind frisch und freuen sich über einen ersten Galopp unter der aufgehenden afrikanischen Sonne.
Die Zeit auf Makalali vergeht wie im Flug. Wir streunen mit unseren Pferden am Fluss entlang, beobachten Flusspferde im Wasser, genießen die herrliche Landschaft und sind immer wieder tief beeindruckt von der enormen Trittsicherheit unserer vierbeinigen Partner. Ingrid stellt fest, dass selbst ihre Buschpferde zuhause viel zu sehr umtüttelt werden – wir reiten über Stock und Stein und nicht eines unserer Pferdchen hat auch nur eine Schramme!
Im Stillen beschließt jeder für sich, die Vierbeiner zuhause nicht mehr so in Watte zu packen und nicht mehr jeder Bodenwelle aus dem Weg zu gehen.
Wir verbringen gemütliche Abende im Buma mit leckerem Braai und erzählen uns lustige Reitergeschichten und lachen über den einen oder anderen Witz am Lagerfeuer.

Am Montagmorgen brechen wir früh auf, wir haben noch einen langen Heimritt vor uns. Giraffen, Zebras und eine Schildkröte kreuzen unseren Weg bis wir am Airfield des Makalali Reservats ankommen. Wir begleiten eine Herde Gnus bis ans Ende der Rollbahn, da wendet Philip sein Pferd und sagt: „Lust auf einen kleinen Galopp?“, grinst dabei frech und schon flitzt er davon mit seinem Anderson!

Nach einer kurzen Sekunde der Verwirrung – unsere Pferde haben natürlich sofort verstanden um was es geht – schnappe ich mir meine Kamera, bringe meinen Tau neben Ingrids Steiner und schon sausen auch wir im gestreckten Galopp die Landebahn entlang! Tau zieht ab wie ein D-Zug und schafft es, trotz enormem Größenunterschied, neben Steiner zu bleiben. Er hält super die Spur, so dass ich mich voll aufs Fotografieren konzentrieren kann. Was für ein tolles Pferd! Ich würde ihn am liebsten mit nachhause nehmen.
Am Ende der Rollbahn stehen Gerti und Rebecca und machen ebenfalls Bilder von uns – wir donnern vorbei und lachen und juchzen den beiden in die Kameras. Was gibt es Schöneres?
Philip leitet rechtzeitig das Durchparieren ein, so dass auch die mit den „schleifenden Bremsen“ noch genug Platz zum Anhalten haben.
Nach dieser Gaudi gönnen wir den Pferden und uns ein kleines Päuschen im Schatten und weil alle noch so euphorisch von unserem Galopp sind, merkt erst mal keiner, wie sich 3 unserer Pferdchen davon schleichen! Sie tippeln auf Zehenspitzen von ihren Reitern weg, um dann in wildem Galopp  – als ob sie eben beim Wettrennen nicht dabei gewesen wären – unser lauschiges Plätzchen zu umrunden. Danach lassen sie sich brav wieder einfangen und tun so, als ob nichts gewesen wäre! Schön, wenn Pferde den Schalk im Nacken haben und sich ihres Lebens freuen!

Wir kommen glücklich und zufrieden auf Wait A Little an und Ingrid setzt um, was sie am Abend vorher versprochen hat – sie hilft Gerti mit Ektor, ihrem Nachwuchsdressurpferd. Der junge Mann ist 4 Jahre alt, hat schon fast alle wilden Tiere gesehen, aber noch nicht so viel Erfahrung im Dressurviereck.
Schnell hat Ingrid beim Unterricht die „Probleme“ der beiden erkannt und schwingt sich hochmotiviert in Ektors Sattel. Es folgt eine Lehrstunde für schönes und harmonisches Reiten mit genau der richtigen Brise Konsequenz, die so ein halbstarker Muskelprotz ja durchaus benötigt. Diesen Trainingseinheiten dürfen wir auch den beiden folgenden Tagen beiwohnen – man sollte meinen, jemand der so viel im Sattel sitzt wie Ingrid, hat irgendwann auch mal keine Lust zum Reiten. Aber weitgefehlt, man hat das Gefühl sie freut sich regelrecht darüber „endlich“ wieder zu reiten und einem Jungspunt wie Ektor das kleine Einmaleins beizubringen.

Obwohl wir schon unglaublich viel gesehen haben, die dicken Jumbos haben wir noch nicht zu Gesicht bekommen. Philip ist schon ganz hibbelig, sind doch die Elefanten seine Lieblingstiere. Doch wir haben Glück: Am Abend zuvor hatten ein paar Ranger die Elefanten noch weit weg von Wait A Little gesehen – zu weit um sie mit dem Pferd zu erreichen. Aber als Philip mit uns am nächsten Morgen rausreitet sehen wir frische Spuren und als erfahrener Tracker findet er sie auch nach einer Weile. So beobachten wir sie am Morgen im dichten Busch und am Nachmittag sehen wir zu wie die ganze Herde den Fluss durchquert, mit dem Wasser spielt, trinkt und Spaß hat –  das alles in der Nachmittagssonne die sich im Wasser spiegelt – schon fast kitschig… Aber wunderschön und wir sind alle mehr als happy nach so einem erlebnisreichen Tag!

Nach einem lustigen letzten Abend, mit Showeinlage von Else, der westfälischen Bäuerin alias Sylvi, welche uns alle kräftig durch den Kakao zieht, wollen wir am letzten Tag eigentlich noch ein paar Sprünge auf der Cross Country Strecke machen. Doch die Verlockung ist zu groß, der junge männliche Löwe wurde in der Gegend gesehen. Also machen wir uns auf, unsere bisher geniale Woche noch mit einem Sahnehäubchen zu krönen.
Unser Plan scheitert jedoch beinahe an der Flussüberquerung. Es gibt nur diese eine Stelle um zu kreuzen, wir müssen einen kleinen Absatz ins Wasser hüpfen. Wir meistern diese Aufgabe mehr oder weniger elegant, jedes Pferd hat seine eigene Technik, welche den Rest der Gruppe oder seinen Reiter mehr oder wenig unter Wasser setzt!
Da gibt es zum Beispiel Sam´s Technik – wenn ich mir nasse Füße machen soll, dann du bitte auch, er geht erst rein, als Philip absteigt und ihn führt!
Dinkel dagegen landet mit einem riesigen Platsch im Wasser und zementiert dabei seine Nachbarn mit Sand und Wasser.
Waggle lässt sich elegant in´s Wasser gleiten – er weiß wohl, dass ich Foto- und Helmkamera an Bord habe.
Der kleine Tau springt und vergisst bei der Landung den Kopf oben zu halten – Rainer und er tauchen einmal unter und kommen frisch gebadet wieder hoch.
Steiners Technik ist einfach zu erklären – ich geh da nicht rein! Und wenn ihr alle da drin seid, ich geh trotzdem nicht rein! Selbst Philips gutes Zureden und seine Führversuche (er ist ja sowieso schon nass) helfen nichts. Als wir alle schon nicht mehr dran glauben, lässt er sich wider Erwarten ohne großes Tamtam ins Wasser gleiten!

Wir finden den Löwen nach längerer Suche unter einem Baum und haben Gelegenheit ihn ausgiebig zu beobachten – einfach immer wieder aufregend diese wunderschönen Katzen vom Pferd aus erleben zu dürfen!

Zurück auf Wait A Little genießen wir noch gemeinsam Gertis köstlichen Lunch und fahren dann die ganze Truppe zum Flughafen nach Hoedspruit. Eine erlebnisreiche Woche geht zu Ende, wir haben viel erlebt, durften unglaublich tolle Menschen kennenlernen und hatten vor allem eine riesige Menge Spass!

Tja und ich, ich habe zwar meine kleine Aufregung vom Beginn der Woche schnell abgelegt, habe aber festgestellt, dass Back Up-Reiter sein auch ganz schön aufregend ist – man ist nämlich der Letzte in der Gruppe… oder der Erste, je nachdem von wo der Löwe kommt!

Hier geht´s zur Big Five Safari auf Wait A Little
Big Five Camp Safari
Garonga Ritt

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