Tolle Pferde, Entspannung pur und das Abenteuer Polocrosse

von Katharina Luz

Nach einer traumhaft schönen Woche auf dem Wild Coast Trail reise ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge ab – das weinende Auge liegt auf der Hand, das lachende, weil mich eine weitere Woche Abenteuer im Sattel in Südafrika erwartet!
Wir fliegen zurück nach Johannesburg, wir, heißt Rainer, Sylvie (sie wird mich begleiten) und ich. Da Rainer eigentlich weiter nach Wait A Little möchte, die Zeit zum Weiterfahren aber zu knapp ist, kommt er kurzerhand mit Sylvie und mir. Unser Ziel ist Horizon Horseback Safaris, einer unserer Partner in der Waterberg Region. Nach kurzweiligen 3 Stunden Autofahrt kommen wir abends auf Horizon an und werden sofort herzlich von Kirsty empfangen. Rainer hatten wir noch kurzfristig für eine Nacht angemeldet und stecken ihn einfach mit in unser Zimmer – das fängt schon mal herrlich unkompliziert an, das gefällt mir!

Der nächste Tag beginnt früh – wir sind wieder im Busch 😉 Sylvie und ich starten zu unserem ersten Ritt und Rainer fährt weiter nach Wait A Little. Wir stromern durch den Busch und erfahren so einiges von Kirsty über die Farm, die Menschen und die Pferde. Nach dem Ritt dürfen wir mit unseren Pferden schwimmen gehen, da bin ich natürlich sofort dabei!

Die Lodge liegt sehr idyllisch an einem großen Damm mit einem wunderschönen Garten, der mit seiner großen Baumschaukel, den gemütlichen Liegen im Schatten großer Bäume und seinem Pool zum Entspannen einlädt. Es ist hier so schön, dass Sylvie und ich doch tatsächlich am Nachmittag aufs Reiten verzichten, um einfach nur den Blick, die Ruhe und den herrlichen Garten zu genießen!

Die Philosophie von Horizon ist es, jedem Gast einen unvergesslichen Urlaub zu bescheren. Das schaffen sie auf unglaubliche Weise und ich bin fasziniert von der Organisation und der Logistik, die hinter diesem Abenteuer im südafrikanischen Busch stecken! Mithilfe von 84 Pferden und einem ganzen Stab an Mitarbeitern bewerkstelligen Laura und Shane das Meisterwerk für jeden Gast das passende Pferd zu haben und jedem Wunsch der anwesenden Gäste gerecht zu werden – jeder darf abends sagen, was er gerne am nächsten Tag machen möchte. Das kann dann schon mal dazu führen, dass 3-4 verschiedene Gruppen zu diversen Ritten und Aktivitäten aufbrechen! Jede davon mit Guide und Back Up-Reiter und wenn es sich einer morgens doch nochmal anders überlegt, dann ist auch das kein Problem!
Im Laufe meines Aufenthaltes unterhalte ich mich mit allen anwesenden Gästen und stelle fest, dass Sylvie und ich die Einzigen sind, die zum ersten Mal hier sind! Cat, eine junge Frau aus London, ist bereits das 7. Mal auf Horizon! Ich würde sagen, das spricht für sich. Darüber hinaus ist es eine bunte Mischung an Gästen – vom Honeymoon-Paar, über alleinreisende Damen, einer lustigen Truppe aus Schweden, bis hin zu einem älteren Ehepaar, ist hier alles vertreten. Das ist natürlich für einen Alleinreisenden perfekt um Anschluss zu finden!

Am Dienstagmorgen gehe ich mit Shane und einigen Gästen auf einen Ritt, wir sehen wenig Wildtiere, dafür galoppieren wir viel und ich kann Shane mit allen Fragen löchern die ich so habe. Er ist ein Pferdemann durch und durch – jedes Pferd hat bei ihm seine Aufgabe und darf bleiben bis der Tag gekommen ist, um es über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen. Mit einem ausgeklügelten Plan werden die Pferde entsprechend ihren Fähigkeiten und ihrem Alter eingesetzt! Die Pferde leben frei auf dem Reservat, was bedeutet, dass ich einem Zebra so nahe komme, dass ich es fast anfassen kann! Morgens und nachmittags werden die Pferde zur Farm getrieben – meist reicht jedoch schon ein Pfiff und alle kommen angaloppiert – und jedes Pferd wird einzeln gefüttert, kontrolliert und versorgt! So lernen die Jungen von den Alten und die Alten entlasten mit kürzeren Ritten die Jungen.

Am Nachmittag bringt uns Lindy dann zu Beadle – eine Werkstatt für afrikanische Perlenkunst. Beadle beschäftigt 18 junge Menschen aus den umliegenden Dörfern und bildet sie in der Kunst des Perlenknüpfens aus. Zwei Drittel der Angestellten sind Frauen, es wird ein flexibles Zeitmanagement betrieben, so dass junge Mütter sich ohne Probleme um ihre Kinder kümmern können. Es macht Spass den Frauen bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen, wie geschickt sie mit den winzigen Perlen umgehen und dann erst das Ergebnis! Am liebsten würden wir den ganzen Laden leer kaufen!

Die Abende auf Horizon sind total gemütlich – erst trifft man sich auf der Veranda auf einen Aperitif und dann essen alle Gäste gemeinsam an einer großen Tafel. Das Essen ist sehr lecker, ich würde es als gute Hausmannskost beschreiben, – die Vorspeise und der Nachtisch werden immer serviert, den Hauptgang gibt es in Buffetform, so dass jeder so viel oder so wenig essen kann wie er mag.

Am Mittwoch ist es dann endlich soweit, wir spielen Polocrosse! Die Bedingungen auf Horizon sind dafür ideal – der Untergrund ist aus Sand, so dass die Pferde nicht ins Rutschen kommen können (nicht dass bei uns jemals die Gefahr der Überschallgeschwindigkeit bestehen würde, aber es ist gut zu wissen, dass es so wäre, wenn wir tatsächlich richtig spielen könnten). Wir bekommen eine erste Einweisung, jeder bekommt sein Korbschlägerchen und dann versuchen wir erst mal im Schritt mit Ball, Schläger und Pferd klar zukommen – schon dabei werden ungeahnte Muskelgruppen beansprucht! Nach einigen Übungen wagen wir uns an unser erstes Spiel. Wir lachen uns alle schlapp, weil es einfach so schwierig ist den Ball zu werfen, zu fangen oder vom Boden aufzusammeln. Und vor allem müssen Sylvie und ich über ihre Stute Fan lachen. Fan ist ein ehemaliges Profipferd und weiß genau wie der Hase läuft. Ihre beste Taktik bei der Verteidigung ist es die Ohren anzulegen und zu drohen, so dass die anderen Pferde sich gar nicht erst in ihre Nähe trauen! Wenn Sylvie dem Ball nachjagt und (mal wieder) den Ball verfehlt, sieht man Fan regelrecht im Gesicht an „Boa nee, nicht schon wieder!“. Toggs, den ich unter dem Sattel habe, ist eine ähnliche Marke – wenn der Ball nicht im Spiel ist, ist er äußerst faul, habe ich jedoch den Ball in meinem Körbchen oder jage der gegenerischen Mannschaft nach, beschleunigt er so, dass ich mich überrascht am Sattel festhalten muss!

Die Nacht verbringen wir nicht auf der Farm, sondern im Bushcamp. Wunderschön auf einer Anhöhe gelegen, ist dieses Safarizeltcamp ein echter Traum und eine tolle Abwechslung zur Farm. Die Zelte sind nicht riesig, aber trotzdem sehr komfortabel, es gibt einen Pool, am Abend ein typisches Lagerfeuer und man hat noch mehr Afrika- und Safarifeeling – die Sterne sind noch heller, die Geräusche des Buschs noch intensiver und man schläft wie ein Baby.

Den kommenden Morgenritt macht dann Babs mit uns – Sylvie und ich bekommen heute unseren eigenen Ritt! Babs kommt aus Esslingen und arbeitet als Buchhalterin auf Horizon und ab und zu führt sie auch mal einen der Ritte.
Zum Frühstück treffen wir uns mit den anderen Gästen im Busch – die Köchin hat ein leckeres, deftiges Frühstück gezaubert, so dass wir uns gestärkt auf den Rückweg zur Farm machen können.
Am Nachmittag steht eine zweite Runde Polocrosse an. Um unsere Pferde zu schonen üben wir erstmal im Garten mit Schläger und Ball – Ben, einer der Volontäre, hat in England schon häufig Polocrosse gespielt und kann uns daher wertvolle Tipps geben. Nach dieser Trainingseinheit fühlen wir uns wie Profis… nur um dann auf dem Pferd festzustellen, dass wir uns noch genauso dusselig anstellen wie am Tag zuvor – ein Blick in Fans Gesicht reicht, um uns das vor Augen zu führen 😀 Trotzdem haben wir super viel Spass, wir lachen, jubeln und feuern uns gegenseitig an und ich muss schmunzeln wie doch auch die ruhigsten Personen Ehrgeiz und Kampfgeist entwickeln!

Nach dem Abendessen steht noch ein besonderes Highlight an – wir haben die Möglichkeit an einer Sternensafari teilzunehmen! Philip Calcott lässt uns eintauchen in eine spannende Welt – witzig und mit viel Wissen dürfen wir 2 kurzweilige Stunden mit ihm verbringen! Sollten Sie einen Urlaub bei Horizon Horseback verbringen und es besteht die Möglichkeit zur Sternensafari – lassen Sie sich diese Gelegenheit auf gar keinen Fall entgehen!

Und schon ist auch unser letzter Tag angebrochen mit einem letzten Ritt – der es in sich hat! Die vorangegangen Tage haben wir relativ wenig Wildtiere gesehen und als ob es der Busch uns nochmal zeigen möchte, fährt er alles auf, was er so zu bieten hat! Impalas, Zebras mit Fohlen, einen Schakal, ein Kuduweibchen mit Zwillingen, Elands mit einem ganz jungen Kalb und einen imposanten und super gechillten Giraffenbullen. Und zum Schluss treffen wir noch die Hippos beim Vormittagsschlaf im Damm!

Nach einem leckeren Lunch müssen wir uns dann auch schwersten Herzens verabschieden, wir haben uns hier wie zuhause gefühlt – tolle Pferde (ich habe viele verschiedene geritten und jedes war auf seine Art super zu reiten, gut gepflegt und zuverlässig), unglaublich fröhliche, hilfsbereite und liebe Gastgeber und wir haben neue Freunde gefunden unter den Gästen!
Der farmeigene Transfer bringt uns nach Johannesburg an den Flughafen, wo ich mich von Sylvie verabschiede und mich mit Rainer wieder treffe um am kommenden Tag Johannesburg zu erkunden!
Was wir hier erleben und wie es uns in dieser so gefürchteten Großstadt ergeht, lesen Sie hier!

Mein Fazit zu Horizon – ein wundervoller Platz um zu entspannen und Ritte in den afrikanischen Busch zu genießen. Wer allerdings eine Fülle an Wildtieren sehen möchte, ist hier nicht richtig. Durch die individuelle Betreuung, die tollen Pferde, das Polocrosse und das ganze „Drumherum“ wird das allerdings mehr als ausgeglichen. Vorallem für Alleinreisende, weniger geübte Reiter und Familien ist Horizon der perfekte Ort für einen wundervollen Urlaub mit Pferden!

Horizon Classic Safari

Horizon Signature Safari

African Explorer