Ingrid Klimke – auch berühmt sein schützt nicht vor akuter Afrikasucht

von Katharina Hageloch

Wir wissen, dass unser Flaggschiff Wait A Little ein potenzielles Suchtrisiko birgt, aber dass sogar jemand wie Ingrid Klimke zum Wiederholungstäter wird, gleicht doch schon einem Ritterschlag! Da unser erstes gemeinsames Abenteuer im Sattel bereits 2013 stattgefunden hatte, war es dringend an der Zeit für Wait A Little 2.0.
Noch immer schwärmen sowohl Ingrid als auch wir von dieser Woche mit sovielen Highlights – Elefanten im Fluss, unser Feuergalopp auf Makalalis Airstrip, Löwen überall und unsere lustigen Abende mit Else der westfälischen Bäuerin! Also gab es irgendwie ja auch was zu toppen…. Schwupps, da war sie wieder die Anspannung…. 2 Jahre so gut wie kein Regen – so sehr ich dem Reservat Regen gönnte, aber was, wenn er ausgerechnet in „unserer“ Woche kommt? Was, wenn wir keine Tiere sehen – die latschen ja rum wo sie wollen…. Es gab also schon wieder genug wenns und abers um mir ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend zu bereiten. Dass aber 5 Mannen komplett ohne Gepäck ankommen würden, damit hat selbst mein kreatives Unterbewusstsein nicht gerechnet…. Doch dazu später mehr.

Rainer und meine Anreise – wir fliegen schon früher – ist bereits „spannend“, auf jeden Fall hatten wir genug Bewegung. Dank verspäteter Züge, Flüge und zäher Zollabfertigung rennen wir jedes Mal, wenn wir ein Transportmittel wechseln müssen. Von zuhause zum Zug, von Zug zu Zug, vom Flieger zum nächsten Flieger, aber irgendwann kommen wir auf Wait A Little an und freuen uns tierisch auf unser erstes kühles Windhoek!
Nach einem wunderbar faulen Vormittag mit Ausschlafen und Daktari besuchen, kommen um 15 Uhr Ingrid, ihr Mann Andreas, Carmen, Tochter Greta und Freundin Johanna an – und alle nur mit Handgepäck! Da sich daran aber leider nichts ändern lässt, plündern wir einfach gut gelaunt meinen Koffer und Gertis Kleiderschrank und lassen uns den ersten Ritt nicht vermiesen – auch wenn alle ziemlich lustig aussehen in ihren geliehenen Klamotten! Wir treffen gleich unten am Fluss auf 2 Büffelbullen – das ist auch für mich das erste Mal, dass ich auf Wait A Little mit dem Pferd auf Büffel treffe! Spannend, aber die Jungs sind super entspannt. Genauso wie die riesige Herde Giraffen und das Hippo im Damm. Die Woche geht schon mal vielversprechend los!

Und so geht es am nächsten Morgen – immernoch ohne Gepäck – auch gleich weiter. Die Herde Giraffen ist noch da und sie sind so wunderschön, dass wir uns kaum losreißen können. Nach ein paar herrlichen Galoppstrecken streunen wir durch den Busch und finden Löwenspuren! Die Spur verliert sich immer wieder, aber Philip ist sich sicher, dass sie hier irgendwo sein müssen. Nachdem wir wirklich ewig nach ihnen suchen und eigentlich die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, kommt das Männchen plötzlich motzend hinter einem Busch vor – wir haben ihn und eine seiner Ladies gestört… bei naja, ihr wisst schon…
Wir ziehen uns dezent hinter den nächsten Busch zurück und haben nun die Möglichkeit etwas zu beobachten, was man wirklich nicht alle Tage erleben darf. Wenn Löwen zur Paarung bereit sind, dann paaren sie sich alle 15 Minunten bis zu 40 Mal am Tag über etwa 5 Tage hinweg! Unser Männchen ist etwas ungeduldig, aber er ist ja auch noch jung und dynamisch! Sein Mädel faucht allerdings ordentlich, sehr viel Spaß scheint sie nicht zu haben 😉


Nach unserem Ritt – und natürlich auch die nächsten Tage – kommt Gerti mit ihren beiden Pferden wieder in den Genuss von Ingrids fantastischem Unterricht. Hach ja, schon das Zuschauen und Zuhören ist einfach ein Genuss… und wenn sie sich dann noch selbst in den Sattel schwingt, einfach nur genial!
Nachdem alle nochmal „vorgeschlafen“ haben, wird dann am Abend ordentlich Silvester gefeiert – mit Weinprobe, vielen Leckereien und immernoch ohne Gepäck (was der Stimmung aber keinen Abbruch tut). Es ist ruckzuck 12 Uhr und wir lassen eine Rakete in den Himmel steigen – mehr wäre sowohl für die Pferde als auch die Wildtiere zuviel!
Den nächsten Tag lassen wir gemütlich angehen – ausschlafen, Gertis Reitstunde zuschauen, Daktari besuchen und gegen Abend noch ein gemütlicher Sundowner-Ritt mit 4 Büffeln im Wasserloch und wieder vielen Giraffen.
Und als wir schon ins Bett gehen wollen, kommt doch tatsächlich ein Auto auf den Hof gerollt und bringt alle Koffer! Was für ein Fest! Die Mädels kommen sich vor, als wären sie shoppen gewesen!
Am nächsten Morgen machen wir uns frisch eingekleidet auf in die Richtung in welcher das Karongwe Forschungsteam tags zuvor die Elefanten gesehen hatte. Allerdings nutzt uns das nur bedingt etwas, da die großen Dickhäuter selbstverständlich nicht einfach stehen bleiben und auf uns warten… Da wir aber ja zum Glück Philip dabei haben, der eine unglaubliche Ausdauer im Suchen und ein Adlerauge im Finden hat, finden wir die Herde auch im dichten Busch – wer schon mal auf Safari in Südafrika war, kann sicher bestätigen, dass man als ungeübter (Reit-)tourist ohne Mühe eine ganze Herde Elefanten im Dickicht übersehen und überhören kann!
Sie mampfen sich friedlich durch den grünen Busch und als er für uns zu dicht wird, drehen wir um und finden doch tatsächlich noch den großen Bullen und seinen halbstarken Sohnemann auf einer freien Fläche außerhalb! Der Kleine wackelt ein bischen keck mit seinen Ohren als er uns sieht, verkrümelt sich dann aber Richtung Herde und wir dürfen seinem Paps zuschauen, wie er sich in aller Ruhe die Rinde eines Baums vorknöpft – mit unglaublichem Fingerspitzen…. äh…. Rüssel- und Stoßzahnspitzengefühl popelt er Stück für Stück ab und mampft es genüßlich in sich hinein.


Überglücklich und total geflasht machen wir uns auf den Heimweg und stolpern schon wieder über frische Löwenspuren – neben dem Liebespärchen gibt es noch ein weiteres Weibchen und 2 unterschiedlich alte Würfe Jungtiere. Philips „Jagdinstinkt“ ist natürlich schneller von 0 auf 100 als ein Formel 1-Bolide – schon wendet er sein Pferd und trackt die Spuren… Als mein Stütchen allerdings anfängt ständig mit gespitzten Ohren nach hinten zu schauen, stelle ich fest, dass nicht wir die Löwen tracken, sondern die uns!!!


Zwei der älteren Jungen schleichen uns neugierig hinterher und verstecken sich mit gebührend Abstand im Gebüsch. Man sieht ihnen ihre Gedanken förmlich an – einerseits würden sie gerne näher kommen, weil sie soooo neugierig sind, andererseits finden sie uns gewaltig unheimlich. Plötzlich hören wir ein entferntes, tiefes „Wuuup-wuuuup“ – die Mama ist nicht begeistert, dass ihre Sprösslinge sich soweit von ihr entfernen! Und wie das bei Kindern so ist, die einen hören besser, die anderen schlechter. Nummer 1 saust schon beim ersten Rufen los, um sich ja keine Ohrfeige zuhause einzufangen, Nummer 2 denkt erst beim 4. Mal Rufen darüber nach nachhause zu gehen 😀
Wow, kann man so einen Tag überhaupt noch toppen??
Am Nachmittag reiten wir zum Beacon Rock und verbringen dort einen wunderschönen und fast schon kitschigen Sundowner auf dem Felsen mit anschließendem Barbecue über dem offenen Feuer. Die Nacht unter freiem Himmel ist immer ein Highlight und man schläft einfach sooo gut dort!
Die nächsten zwei Tage werden wir auf Xidulu verbringen – diese private Lodge mit ihrem Wasserloch ist unbeschreiblich schön! Und endlich – ich wollte es schon immer einmal live erleben – darf ich einer Giraffe beim Trinken zuschauen! Und nicht nur eine, es kommen ständig neue Giraffen, so dass wir sogar unterschiedliche „Trinktechniken“ ausmachen können – die gelenkigen spreizen ihre Vorderbeine so weit gestreckt auseinander, dass sie mit dem Maul ans Wasser kommen, die weniger Gelenkigen (so eine Giraffe wäre dann wohl ich 😉 ) spreizen deutlich weniger und knicken die Vorderbeine dann nach vorne ab.
Die große Dürre der letzten 1,5 Jahre ist zum Glück vorbei und das Wasserloch hat soviel Wasser, dass sogar wieder eine Herde Nilpferde dauerhaft darin wohnt.


An den kommenden zwei Nachmittagen dürfen wir auch Pattson und sein großes Wissen genießen – er ist der Ranger auf Xidulu und ein absoluter Geheimtipp unter den Safari Guides. Er hat ein unerschöpfliches Wissen, findet jedes Tier – wenn es die Strassenverhältnisse zulassen – und ist dazu noch einfach mega witzig!
So erleben wir Elefanten rings um uns herum, sich wälzende Zebras, auf den offenen Flächen große Herden Giraffen, Zebras und Antilopen, viele Vögel die wir selbst gar nicht wahrgenommen hätten und als top Highlights ein schwarzes Nashorn – es ist wunderschön, mit dem Rücken voller Oxpecker zieht es gemütlich über eine offene Fläche und ist völlig entspannt – und ein Rudel mit 8 Löwen!! Sie liegen direkt am Weg und wir können super nah ran mit dem Auto. Sie sind total sozial, putzen sich gegenseitig, schmusen miteinander und – um es mit der Sprache der Jugend zu sagen – chillen voll ihr Leben!


Der Donnerstag geht schon beim Frühstück toll los – Pattson kommt und zeigt uns am Ufer gegenüber eine Hyäne, klar, dass von uns die keiner gesehen hat 😀
Heute geht’s zurück nach Wait A Little und wir sind noch keine 100m von der Lodge entfernt, treffen wir bereits auf ein einzelnes Löwenmännchen! Er ist kurz irritiert, hat vermutlich noch nie Pferde gesehen, geht dann aber weiter und wir können ihm in gebührendem Abstand folgen – er wetzt seine Krallen an einem Baum, trinkt am Wasserloch und er hat keine Schwanzspitze, da hatte er wohl mal einen wilden Kampf! Er läuft immer näher an die Lodge, bis plötzlich Ingrid sagt „Mensch Katha, zum Glück liegst du nicht mehr im Bett, das sind ja nur noch paar Meter bis zu eurem Zimmer!“ haha, ja, da hat sie recht, wir sind halt doch nicht im Zoo! Da die Zimmer auf Stelzen stehen, musste ich mir aber zum Glück keine Sorgen machen, dass nachts mal ein Miezekätzchen zum Kuscheln kommt 😉


Und als ob das nicht schon Highlight genug wäre, finden wir auf Karongwe noch die Elefanten beim Siesta machen! Sie stehen alle dicht beeinander und machen ein Nickerchen, so dass wir sie super gut beobachten können.


Und wie es beim Morgenritt geendet hat, geht es mittags gleich weiter – die Elefanten sind bis nach Wait A Little gelaufen und wir treffen gleich am Wasserloch vor der Farm auf sie. Wieder lässt uns der große Bulle an seinem Leben teilhaben – Baum umwerfen, kurz dran rumknabbern, feststellen, dass er doch nicht schmeckt, nächsten Baum versuchen, sich mit Sand bewerfen, mit dem einen Hinterbein am anderen kratzen, weiterlatschen – was für ein Leben!
Und dann, dann haben wir noch das totale mega Sighting!!! Wir finden die Gepardendame unter einem Baum! Sie ist mega gechillt und wir können uns sogar aufteilen, so dass wir von beiden Seiten fotografieren können! Geparden sind einfach wunderschön und mit den Pferden völlig entspannt, man hat fast das Gefühl sie nehmen einen gar nicht wahr!


Und um das Ganze noch zu toppen, was eigentlich gar nicht geht, kommen die Elefanten abends noch beim Essen vorbei und grasen unten am Fluss, direkt unterhalb der Plattform!
Unser letzter Tag bricht an und damit auch unser letzter Ritt und weil wir ja schon so unglaublich viel gesehen und erlebt haben, gehen wir völlig ohne Erwartungen los und werden mehr als belohnt! Wir treffen nochmal auf 2 Büffelbullen am Wasserloch, reiten inmitten einer riesigen Giraffenherde und finden auf der Suche nach einem Nashorn das Löwenmännchen mit einem gerissenen Kudu (offensichtlich hat ihn seine Aktivität der letzten Tage hungrig gemacht 😉 ). Er ist ein solcher Prachtbursche, dass man gar nicht genug bekommt ihn anzusehen!

Tja, und dann ist sie auch schon wieder vorbei unsere Woche im Paradies 🙁 Wir haben soviel erlebt und soviel Großwild gesehen, dass es fast schon unverschämt ist – aber manchmal darf man ja auch ein bisschen Glück haben! Wenn man schon die halbe Woche in geliehenen Klamotten verbringen muss 😉

Wenn ihr auch so eine tolle Safari erleben wollt, dann bitte hier klicken