Ride Kenya – Traumritte mit Traumkulisse

von Susanne Brielmann

Da der Flug von Nairobi in den Amboseli Nationalpark schon relativ früh morgens geht, damit man anschließend noch möglichst viel vom Tag hat, bin ich bereits einen Tag vorher angereist und habe eine Nacht im The Emakoko im EmakokoNairobi Nationalpark verbracht. Der perfekte Beginn eines Traumurlaubs!  Das Emakoko  ist eine kleine, sehr persönliche Lodge, die sowohl vom internationalen Komo Kenyatta Flughafen als auch vom Wilson Airport, von dem sämtliche Maschinen in den Busch gehen, gut zu erreichen ist. Großer Vorteil: Da man zur Lodge durch den Nationalpark fährt, umgeht man den schrecklichen Verkehr in Nairobi und man begibt sich auch gleich auf einen Game Drive: So kann ich gleich am ersten Abend in Nairobi jede Menge Antilopen, Zebras und Giraffen, aber auch Nashörner und einen Büffel beobachten! Und das alles vor dem Hintergrund der berühmten Ngong Hills.

Am nächsten Morgen brechen mein Fahrer und ich also früh morgens auf Richtung Wilson Airport. Die Fahrt führt uns wieder durch den Nationalpark und als Belohnung für das frühe Aufstehen, begegnen uns en Route zwei Löwinnen mit ihren insgesLöwenamt fünf Jungen, die noch ziemlich klein sind! Wie süß!

Der Flug von Nairobi in den Amboseli Nationalpark dauert etwa eine Stunde und an den Schuhen erkenne ich schon meine Mitreiter für die kommende Woche – dank Gepäckbegrenzung hat jeder seine schwersten Sachen direkt an. Nach der Landung mitten im Nirgendwo werden wir von unseren beiden Guides, Patrick und Kim, mit Kaffee und Keksen willkommen geheißen und los geht die Fahrt Richtung Camp 1, die sich wiederum als Game Drive gestaltet. Schon bald sehen wir Gazellen, Gnus und auch schon die erste große Elefantenherde – dafür ist der Amboseli schließlich berühmt. Die sanften Riesen sind ja alleine schon beeindruckend, aber in Herden von 20 und mehr verschlägt es einem im wahrsten Sinne die Sprache!

Angekommen im Camp, werden die Zelte bezogen, jedes mit richtigem Bett und eigenem Buschbadezimmer – am nötigen Komfort wird es uns in der kommenden Woche nicht fehlen!  Dann gibt es Mittagessen und ich frage mich, wie unser Koch es schafft, uns mitten im Busch eine derart frische und knackige Mahlzeit zuzubereiten.

Nach der Siesta ist Teatime angesagt sowie das Safety Briefing: Patrick erklärt uns, was wir beim Reiten allgemein im Busch und bei Wildbegegnungen zu beachten haben. Die Pferde könnten frisch sein, erwähnt er noch extra. Dann geht’s endlich los zum ersten Ritt und – tatsächlich! – die Pferde sind wunderbar frisch! Keine stumpfen Trailponys, sondern muntere, gut trainierte und gefütterte Pferde, genau richtig für erfahrene Reiter, die wirklich reiten wollen. Der erste Galopp ist schon eine Wonne: Patrick bestimmt ein sehr ruhiges Tempo, bei dem man gut die Übersicht behalten kann, und mein Pferd namens Zulu lässt sich problemlos steuern und setzt sich derart auf die Hinterhand, dass es an Versammlung grenzt. Ein Traum!

Nach dem Ritt erwarten uns Lagerfeuer und Gin Tonic sowie heißes Wasser in unseren Buschduschen. Frisch und sauber können wir so zum Dinner antreten: ein leckeres Drei-Gänge-Menü begleitet von südafrikanischen Weinen. Und auch die Gruppe taut langsam auf und mir scheint, als würden wir in der kommenden Woche noch viel Spaß haben können.

Am nächsten Morgen fällt mir erst auf, was für eine wunderschöne Aussicht wir aus unserem Camp haben, nämlich auf die berühmte schneebedeckte Kuppe des Kilimandscharo! Nach einem reichhaltigen Frühstück reiten wir im weichen Morgenlicht los und erkunden die Gegend. Schon bald finden wir einen sehr entspannten Elefantenbullen, der sich vor der perfekten Kulisse des Kili geradezu in Szene setzt. Ansonsten sehen wir natürlich auch wieder jede Menge „Plains Game“, also Giraffen, Zebras, Gazellen… Und was mich persönlich besonders begeistert: Es wird richtig viel galoppiert J.

Nachmittags dürfen sich die Pferde ausruhen. Nach dem Tee unternehmen wir erst einen kurzen Game Walk, um die kleinen Dinge des Busches zu entdecken. Dabei sehen wir als erstes aber etwas gar nicht so Kleines: quasi direkt hinter unserem Camp schrecken wir eine Hyäne auf. Später machen wir noch einen Game Drive, um noch ein paar gute Fotos von den Elefantenherden zu bekommen. Unterwegs finden wir aber erst noch ein totes Zebra – hierher müssen wir später unbedingt wieder zurückkommen, vielleicht können wir ja noch mehr Hyänen finden. Jetzt haben wir aber erst mal reichlich Gelegenheit, Elefanten zu fotografieren…

Nach dem Abendessen ziehen wir also noch einmal los zum toten Zebra und tatsächlich können wir mit eigenen Augen sehen bzw. mit eigenen Ohren hören, wie stark die Kiefer einer Hyäne sind: unweit unseres Geländewagens ist eine gerade dabei, die Zebraknochen zu verspeisen – in der Natur wird nichts verschwendet. Toll!

Tag 3 ist Umzugstags! Wir reiten sehr früh los, da wir einen langen Weg zum nächsten Camp vor uns haben. Zuerst verfolgen wir aber noch Löwenspuren. Nachdem wir schon einige Zeit gesucht haben und ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben habe, finden wir sie dann doch noch! Eine Löwin hat sich gut im Gebüsch versteckt. Als wir näher kommen, lässt sie ein unzufriedenes Raunen von sich und trabt ein paar Schritte auf uns zu, Patrick macht ihr aber lautstark klar, dass sie uns nicht noch näher kommen soll und sie dreht schließlich ab. Jetzt sind wir jedenfalls alle wach!

Dann geht es raus aus dem Amboseli und kaum haben wir den Nationalpark verlassen, begegnen wir der ersten Masai-Rinderherde (die uns am liebsten nachlaufen würden). Heute machen wir im Trab und Galopp richtig Strecke und ich bin zunehmend begeistert von der Fitness der Pferde – da könnte sich manch Reiter eine Scheibe abschneiden ;-). Wir reiten durch unterschiedliche Landschaften, vorbei an noch mehr Rindern und Ziegen, finden unterwegs jede Menge von Elefanten umgestoßene Bäume, die ideal sind zum Springen, überqueren die Teerstraße bei Kimana, wo wir durchaus größere Beachtung bei der Bevölkerung, vor allem natürlich bei den Kindern, finden und kommen dann schließlich im Kimana Wildlife Sanctuary an. Hier reiten wir zunächst entlang eines geradezu märchenhaften Flusstales, finden Hippos und sogar ein – wie ich finde – recht großes Krokodil. Dann kommen wir auf eine große, offene Ebene, reiten vorbei an jeder Menge Plains Game und erreichen unser zweites Camp, das natürlich schon fertig für uns aufgebaut ist. Aus meinem Zelt habe ich eine tolle Aussicht über die offene Ebene.

Nachmittags dürfen Pferde und Reiter wieder ausruhen und wir unternehmen einen Game Drive. Nach Einbruch der Dunkelheit suchen wir mit einem Scheinwerfer nachtaktive Tiere. Ein putziges Bushbaby und ein ebenso süßer Springhase zählen zu unseren Entdeckungen.

Am vierten Tag nehmen wir uns Zeit, das Flusstal genauer zu erkunden. Patrick weckt uns alle mit einem frischen Galopp auf schmalen Wildpfaden auf und baut den einen oder anderen Sprung ein – herrlich! Das Morgenlicht am Fluss, das durch die großen, wunderschönen Gelbrinden-Akazien bricht, taucht alles in eine fantastische Stimmung. Wir alle genießen einen gemütlichen Ritt in dieser besonderen Atmosphäre und wer mag, kann immer wieder über kleine und große Baumstämme springen.

Nach einiger Zeit entdecken wir dann drei riesengroße Elefanten. Ihren Stoßzähnen nach zu urteilen, müssen zwei davon sicherlich über 50 Jahre alt sein! Gigantisch…

Doch das Highlight des Tages komm noch: zurück auf der offenen Ebene galoppieren wir mit einer Gruppe Giraffen und die schnellsten von uns galoppieren direkt neben einer von ihnen. Einfach genial und wir strahlen alle über beide Ohren!

Nachmittags versuchen wir zu Fuß noch einmal die drei Elefantenbullen zu finden. Wir finden auch recht frische Spuren, die uns allerdings in sehr dichten Busch führen, wo wir noch frischere Büffelspuren finden. Da sich die hiesige Büffelgruppe über die letzten Jahre den Spitznamen „Deadly Seven“ verdient hat, brechen wir die Suche ab.

Tag fünf ist wieder Umzugstag, es geht weiter in Richtung Chyulu Hills. Wir verlassen „unsere“ Ebene über ein Lavafeld, vorbei an einer großen, faszinierenden Felsformation, die den Einheimischen wohl auch als Heiligtum gilt. Dann tut sich unter uns ein breites Tal auf, das wir nun durchreiten, vorbei an Masai-Hütten und -Bomas, Umzäunungen aus Gestrüpp, in denen allerlei Vieh gehalten wird. Sofern die Bomas leer sind, eignen sie sich auch vorzüglich als Sprünge, wie wir bald feststellen. Eine lange Galoppstrecke führt uns erst über Dirt Roads und dann den nächsten Hügel hinauf. Oben angekommen haben wir eine tolle Aussicht und sehen bereits unser Ziel: die vulkanischen Chyulu Hills erheben sich am Horizont! Jetzt geht es aber erst mal in zügigem Tempo weiter zum Etappenziel: im Galopp durch ein Flusstal, über Erosionsspalten springen und dann die nächste Anhöhe hinauf zum Lunch! Auf einem markanten Kopje (Felsen) erwarten uns Decken und dicke Kissen sowie leckeres Essen und eiskalte Drinks. Während wir es uns gutgehen lassen, werden die Pferde von den Pflegern getränkt, gewaschen und bekommen natürlich auch Futter.

Nach der Siesta im Schatten geht es weiter Richtung Chyulus. Endlose Ebenen mit goldenem Gras laden wieder zum Galoppieren ein. Im leichten Canter nebeneinander her, scheint jeder für sich eine unglaubliche Zufriedenheit auszustrahlen. Am Ende nutzen wir eine sandige Straße noch für ein kleines Wettrennen – kaum zu glauben, wie viel Energie unsere Pferde immer noch haben! Schließlich kommen wir in unserem dritten Camp der Woche an. Trotz des langen Reittages wird es ein langer Abend – die vielen Abenteuer und lange Gespräche haben die Gruppe so zusammengeschweißt, dass man kaum glauben kann, dass wir uns erst seit ein paar Tagen kennen.

Am nächsten Morgen gönnen wir den Pferden etwas Ruhe und ziehen mit dem Fahrzeug bzw. dann zu Fuß los, um zwei Elefantenbullen bis ans Wasserloch zu folgen, wo wir sie ungestört beobachten können. Außerdem sehen wir Oryxantilopen und eine recht große Giraffenherde.

Der Nachmittags-Ritt führt uns wieder über weite Ebenen, an surreal wirkenden Vulkanhügeln vorbei. Der Höhepunkt des Nachmittags ist der Galopp an einem Bergrücken entlang. Links und rechts geht es bergab und geradeaus sieht man nur noch Himmel. Oben angekommen tut sich einem die endlose afrikanische Wildnis jenseits des Berges auf – nicht einmal fliegen kann schöner sein!

Den Hügel für den Sundowner erreichen wir erst nach Sonnenuntergang. Das macht aber nichts, es ist trotzdem wunderschön hier. Stattdessen können wir jetzt – Gin Tonic in der Hand – beobachten wie immer mehr Sterne leuchten, bis einen der Sternenhimmel fast schon blendet.

Tag Sieben ist unser letzter Umzugstag. Wir reiten die Chyulus Hills hinauf durch immer dichter werdenden Busch, immer steilere Hänge hinauf. An das Wild, das wir unterwegs sehen, sind wir geradezu schon gewöhnt. Oben in den Hügeln gibt es noch einen langen Galopp und schließlich erreichen wir unser letztes Camp, von dem wir eine herrliche Aussicht über die Ebenen unten, die künstlich wirkenden Vulkanhügel bis zum Kili am Horizont haben. Wow!

Nachmittags unternehmen wir eine kurze Wanderung in die nahegelegenen Höhlen, wo man sich genau vorstellen kann, wie hier irgendwann mal heiße Lava durchgeflossen ist. Der Abend ist außergewöhnlich ruhig – alle sind schon irgendwie bedrückt, dass es unser letztes gemeinsames Dinner ist.

Am nächsten Morgen ist der Kili in besonders schönem Licht zu sehen. Dann heißt es schon Abschied nehmen: einige müssen direkt zum Airfield, andere können noch einen letzten Ritt zu den Stallungen unternehmen.

Dort angekommen bin ich absolut begeistert: die Ställe und der Platz sind super gepflegt und Sattel- sowie Futterkammer top organisiert und sauber. Die Futterzusammenstellung ist kompliziert und gut durchdacht und erklärt, warum mein Pferdchen auch am Ende der Woche noch so gut in Schuss ist.

Der detaillierte Trainingsplan für jedes der knapp 30 Pferde erklärt außerdem, wie die Pferde während des Amboseli-Ritts Kilometer um Kilometer im Galopp zurücklegen können, ohne dabei am Ende total erschöpft zu sein. Die Professionalität von Ride Kenya lässt Reiterherzen höher schlagen!

Dann heißt es auch vom Rest der Gruppe Abschied nehmen. Ich bleibe noch eine Nacht in der Ol Donyo Wuas Lodge, Zeit auszuruhen, zu verarbeiten, die Woche ausklingen lassen und ein bisschen auch, um den dekadenten Luxus einer der besten Lodges Kenias zu genießen.

Am nächsten Morgen würde ich am liebsten bleiben, muss aber schweren Herzens meinen Flug zurück nach Nairobi antreten. Als die Kuppe des Kili am Flugzeugfenster vorbeizieht, lässt sich die eine oder andere Träne nicht mehr unterdrücken…

Anmerkung:
Leider hat unser Partner Ride Kenya seine Wanderritte eingestellt, es besteht jedoch die Möglichkeit von der Ol Donyo Wuas Lodge, dem Basecamp von Ride Kenya, herrliche Ritte zu erleben!

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