Ride & Work – Wait A Little

von Rebecca Hoch

Mein  Leben auf ´Wait A Little`

Wow, wo soll ich bloß anfangen… als ich gefragt wurde ob ich einen Reisebericht über meinen dreimonatigen Aufenthalt in Südafrika auf ´Wait A Little` schreiben könne, war ich natürlich Feuer und Flamme. Doch schnell kam mir der Gedanke: „ Wie soll ich denn all meine Erlebnisse in diesen wundervollen drei Monaten in einen nicht allzu langen Artikel bekommen? Und vor allem, wie  soll ich den Lesern das Gefühl vermitteln, welches mich begleitete während ich nur wenige Meter entfernt von Elefanten, Löwen, Nashörnern, Giraffen und Co auf dem Pferderücken saß  – denn das ist schlichtweg nicht möglich! Dazu müsst ihr schon selbst einmal zu Gerti und Philip nach Südafrika reisen;) Doch fürs Erste will ich nun versuchen, euch bestmöglich mein Leben in Südafrika zu schildern.

Schon wochenlang vor meiner Abreise stieg die Vorfreude und die Aufregung. 3 Monate mit Pferden in Südafrika arbeiten – was konnte es schöneres für mich geben?! Angefangen hat alles mit meinem Praktikum bei ´pferdesafari`, welches ich im August vergangenen Jahres, nachdem ich mein Abitur in der Tasche hatte, begann. Dabei entdeckte ich das Equine Student Programm von ´Wait a little` und war total begeistert. Das Glück schien auf meiner Seite zu sein und so war es dann Mitte Januar so weit und ich stieg in meinen Flieger Richtung Afrika – das Abenteuer konnte beginnen!

Nach einer Anreise mit vielen Hindernissen kam ich einen Tag später und an einem anderen Flughafen als geplant, aber immerhin in Südafrika, an. Philip, der Besitzer von ´Wait A Little`, erwartete mich schon und los ging die Autofahrt zur Farm. Auf WAL wurde ich dann herzlich von Gerti, Besitzerin von WAL und Frau von Philip, Clare, der Stallmanagerin, Rusty, dem Guide in Ausbildung und der zweiten Praktikantin Anna begrüßt. Clare zeigte mir die ganze Anlage und schließlich mein eigenes Zimmer, welches in einem Häuschen zusammen mit ihrem, Rustys und Annas Zimmer lag. Nach einer ausgiebigen Dusche gab es super leckere Pasta von Philip und so ließen wir den Abend in gemütlicher Runde in familiärer Atmosphäre ausklingen – ich habe mich auf Anhieb wohlgefühlt. Während meinen ersten zwei Wochen hatten wir keine Gäste auf der Farm, deshalb konnte ich mich in Ruhe in meinem neuen Zuhause einleben und alle Pferde und Mitarbeiter kennenlernen. Allerdings waren Annas drei Monate schon fast vorbei als ich kam und sie verließ uns schon bald. Dafür kam die neue Praktikantin Rosanna. Ebenso waren Clares sechs Monate als Stallmanagerin auch schon fast vorüber und für sie kam Kate. Clare und Kate wechseln sich nämlich im Halbjahrestakt mit dem Job als Stallmanagerin ab. Doch das waren dann auch schon alle personellen Änderungen. In diesen zwei Wochen ohne Gäste unternahmen wir in erster Linie ein paar kürzere Ausritte mit den jungen Pferde, die so an ihre Aufgabe als Trailpferd langsam herangeführt wurden oder ich wir ritten ein bisschen in der Arena. Doch schon bald startete der Gästebetrieb und es stellte sich ein alltäglicher Ablauf ein. Davon werde ich euch nun erzählen:
„Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Ganz in diesem Sinne klingelt der Wecker in Afrika morgens recht früh, denn über Mittag kann es ziemlich schnell sehr heiß werden. Für einen guten Start in den Tag sorgte fast jeden Morgen das gemeinsame Kakao/ Tee trinken mit den anderen, während wir die Stille der noch so friedlich schlummernden Farm genossen. Danach ging es dann an die Arbeit: Pferde vom Stall zum Putzplatz bringen, gründlich putzen, satteln und trensen. Im Idealfall kamen die Gäste genau dann vom Frühstück, wenn wir damit fertig waren und es konnte ohne große Verzögerungen zum morgendlichen Trail aufgebrochen werden. Wenn ich für den Morgen als Back-Up Reiter eingeteilt war, hieß es jetzt erst mal 3-4 Stunden im Sattel zu sitzen und den afrikanischen Busch zu erkunden. Back-Up Reiter zu sein bedeutet, die Reitgruppe von hinten abzusichern und so auch einen großen Teil an Verantwortung zu übernehmen, denn Philip und Rusty müssen sich immer auf dich verlassen können – nur so kann ein Trail reibungslos ablaufen! Doch unter der ausführlichen Anleitung der erfahrenen Back-Up Reiter bin ich relativ schnell in diese Aufgabe hineingewachsen und es machte mir riesig Spaß.

Den Trail an sich kann ich euch nicht beschreiben, denn wirklich jeder Ritt ist einzigartig! Je nachdem ob und wenn ja, welche Spuren Philip oder Rusty finden wird viel Schritt geritten um die Tiere aufzuspüren oder mal eher ein bisschen mehr galoppiert, bis man auf Spuren stößt. Mal findet man die Tiere, mal nicht. So ist das nun mal mit wilden Tieren. Jedoch gab es dank der langjährigen Erfahrung der Guides kaum einen Ritt, bei dem das Suchen umsonst war und wenn wir die Tiere dann gefunden hatten, war ich einfach nur sprachlos. Für mich persönlich gibt es kaum etwas atemberaubenderes als die Big 5 und alle anderen Tiere in freier Wildbahn zu erleben. Wir hatten so viele tolle Sightings in diesen drei Monaten. Vom Galopp durch den Busch neben den so eleganten Giraffen, über neugierige junge Nashörner die so nah kamen, dass man sie fast hätte berühren können bis hin zu den Geparden, die gerade ihre frisch erbeutete Mahlzeit genossen. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Löwen, welche mit ihrer allzu majestätischen aber auch gefährlichen Art immer wieder zu einem extra Adrenalinschub führten und nicht zuletzt meine Lieblinge, die Elefanten. Sie faszinierten mich immer aufs Neue mit ihrer Größe, ihrem Verhalten und spätestens nach dem Sighting, bei dem wir eine ganze Herde Elefanten samt ihren Babys  gesehen hatten, haben sie mich komplett in ihren Bann gezogen! Es war wirklich unglaublich…

Immer wenn wir von unserem Ritt zurückkamen, wurden natürlich zuerst die Pferde versorgt und dann hieß es Sattelzeug putzen, denn bei den Faktoren Staub, Hitze und Schweiß, konnte dieses nicht einfach wieder so in die Sattelkammer zurückgehängt werden! Da man dabei jedoch nie alleine war und sich die Zeit immer mit netten Gesprächen vertreiben konnte, ist man ruck zuck fertig gewesen und konnte zum Lunch gehen. Denn ca. um 11 Uhr gab es immer ein herrliches „Brunch-Lunch“ wie wir es intern so gerne nannten, ein leckeres Büffet mit verschiedenen Salaten und warmen Speisen.
Danach war Zeit sich mit vollgeschlagenem Bauch gemütlich am Pool zu sonnen, ein kleines Mittagsschläfchen im Zimmer oder auf was man eben sonst so Lust hatte, zu machen. Nachmittags hieß es dann wieder die Pferde für den zweiten Trail am Tag fertig zu machen, der etwas kürzer wie der erste war, und oft mit einem gemütlichen Sundowner endete. Wenn ich morgens schon als Back-Up Reiter auf Trail war hieß es nun für mich ein paar Stallarbeiten (kein Misten) mit Kate zu erledigen und anschließend den Sundowner vorzubereiten.
War ich jedoch morgens nicht mit auf Trail, durfte ich nachmittags mitreiten. Was mir persönlich sehr an dieser Variante gefallen hat war, dass man dann morgens meistens mit Gerti und Kate zusammen einige Pferde in der Arena gearbeitet hat und Gerti dabei immer ein Auge auf einen hatte. Gerti legt nämlich sehr viel Wert darauf, dass alle Pferde gut ausgebildet sind und das habe ich auch bei jedem einzelnen Pferd gemerkt. Da Gerti selbst bis zur schweren Klasse Dressur reitet, habe ich durch ihren guten Unterricht sehr viel dazugelernt, was mich in meiner Reiterei viel weitergebracht hat!

Aber wir haben morgens nicht nur zusammen in der Arena gearbeitet, sondern haben auch kürzere Ausritte mit den jungen Pferden unternommen. Dabei habe ich auch meine zwei Lieblingspferde kennengelernt. Toby, einen noch etwas frechen Wallach und Alloa, eine süße Stute, welche beide erst 5 Jahre alt waren und aus der eigenen Zucht von ´Wait A Little` stammten. Alle beide waren schon sehr aufmerksam und trittsicher in ihren jungen Jahren und machten super viel Spaß zum reiten, jeder auf seine Art. Wahrscheinlich war Toby genau wegen seiner frechen Art mein kleiner Favorit.

Auch nach dem abendlichen Trail stand die Versorgung der Pferde dann wieder an erster Stelle und nachdem diese alle zufrieden ihr Futter im Stall mampften, war es auch für uns Zeit zum Abendessen. Und mit Abendessen meine ich kein kleines Vesper, wie wir es hier in Deutschland meist handhaben sondern ein 3-Gänge-Menü, welches ein echtes kulinarisches Erlebnis darstellte. Das Essen auf WAL war wirklich unfassbar abwechslungsreich und lecker! Je nachdem wie fit man nach dem Essen noch war, saß man noch eine ganze Weil bei gutem Wein zusammen oder man hat sich schon ein bisschen früher in sein Bett verkrochen.

Zu solch einem super Tag im afrikanischen Busch kamen dann aber natürlich noch die unzähligen neuen Bekanntschaften aus aller Welt hinzu. Mir kam es in Südafrika viel einfacher vor, neue Leute kennenzulernen. Die Menschen schienen mir einfach viel offener zu sein und man kam meistens sofort in ein Gespräch über die Natur, die Tiere, das Reservat oder sonstiges. Zum Beispiel als Rosanna und ich eines Morgens an einem Game Drive der Forschungsgruppe des Reservats teilnehmen durften. Dieses Forschungsteam betreibt auch ein Praktikantenprogramm. Daher lernten wir einige Praktikanten auf dem Game Drive kennen, mit denen wir uns gleich über unsere verschiedenen Aufgaben und Erlebnisse in Südafrika unterhalten konnten. Noch dazu war es sehr interessant ihnen bei ihrer Arbeit zuzuschauen und auch total spannend, weil ich dabei zum ersten Mal einem Geparden zu Fuß begegnet bin.
Viele neue Leute lernte man auch durch die von Woche zu Woche wechselnden Gäste auf ´Wait A Little` kennen. Da wir alle eine Gemeinsamkeit teilten, nämlich die Leidenschaft für Pferde, kam meist recht schnell eine angenehme und ungezwungene Atmosphäre zustande und man erlebte eine schöne und witzige Woche, geprägt durch einzigartige Erlebnisse miteinander. Auch wenn jede Woche ihre Besonderheiten hatte, war die Woche in der Ingrid Klimke auf Safari war eine der tollsten Wochen für mich. Denn eine so gute und feinfühlige Reiterin, welche diesen Sport mit so viel Herzblut ausübt live zu erleben, war wirklich sehr beeindruckend und ein langjähriger Traum von mir.


Wenn dann einmal keine Gäste da waren gab es hin und wieder auch die Möglichkeit Ausflüge zu machen. Einmal packten Kate, Rosanna und ich uns eine Kühltasche, schnappten uns Kates Auto und fuhren in die Berge zum Blyde River Canyon. Es war total faszinierend wie sehr sich die Landschaft auf der ca. einstündigen Fahrt veränderte und der Ausblick von den Aussichtspunkten war einfach der Wahnsinn! Der Tag war echt toll und hat super viel Spaß gemacht mit den Mädels.
Ein anderes Mal fuhren Rosanna und ich in den nahe gelegenen Reptilien Park und das Wildtier Rehabilitationszentrum, was beides auch sehr interessant war. Dort habe ich auch meinen ersten und einzigen Leoparden gesehen. Einerseits super, da ich unbedingt einen Leoparden sehen wollte aber andererseits war es leider eben auch nicht dasselbe wie ihn in freier Wildbahn zu sehen.

Zum Schluss möchte ich noch kurz von zwei meiner schönsten Erlebnissen erzählen. Das war zum einen der Abend, an dem Kate und ich in den Pub gehen wollten und zum anderen mein Geburtstag. Denn dieser war der einzigartigste, den ich je hatte. Morgens durfte ich mit Toby auf Trail gehen, wobei wir ein super Nashorn-Sighting hatten, dann gab es abends einen Sundowner auf einem Felsen, von dem aus man das gesamte Reservat überblicken konnte und schließlich durfte ich im Sleep-Out Camp mitten im Busch unter dem atemberaubenden Sternenhimmel Afrikas eingeschlafen. Besser geht es nicht…
Und der Abend an dem Kate und ich in den Pub gehen wollten war deswegen so besonders, weil nur fünf Meter entfernt von unserem Auto, mit dem wir eigentlich in den Pub fahren wollten, ein Elefantenbulle im Mondschein stand. Er stand ganz ruhig da und fraß, so dass wir ihn bestimmt eine halbe Stunde lang beobachten konnten, bevor er langsam in den Busch verschwand.
Momente wie diese machten meine sowieso schon unglaublich tolle Zeit in Südafrika auf ´Wait a little` einfach perfekt. Ich habe so viele tolle Sachen erlebt, so viel dazugelernt und die Menschen dort sind mir sehr ans Herz gewachsen. Die Pferde und Tiere dort, sowie das gesamte Leben in einem Wildreservat fehlen mir hier in Deutschland total und deswegen bin ich sicher, dass dies nicht mein einziger Besuch bei Philip und Gerti waren. Irgendwann möchte ich alle dort wiedersehen.

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