Marokko – Oase Tafilalelt und Sanddünenritt

von Nelly N.

Marokko März 2017

2. Woche des Oase Tafilalelt Rittes

Am 18.03.2017 war es endlich soweit. Der Tag des Aufbruchs nach Marokko war gekommen. Da ich recht spät gebucht hatte, hatte ich einen recht komplizierten Flug und war heilfroh als die beiden Mitreiter, die ich in Casablanca am Flughafen getroffen hatte, und ich um kurz vor 12 nachts auf dem Flughafen in Ouarzazate landeten. Das “Tor zur Wüste” begrüßte uns mit strömendem Regen, der aber nur diese Nacht anhalten sollte. Nach einem kurzen Transfer mit dem vorbestellten Taxi zum Hotel und dem nächtlichen Kennenlernen meiner Zimmernachbarin, verbrachte ich die erste Nacht in einem sauberen, typisch “orientalischen” Hotelzimmer.

Beim Frühstück am nächsten Morgen wartete Mohammed, einer von Renas Pferdepflegern, bereits auf uns. Es erfolgte ein circa 5-stündiger Transfer mit kurzem Kaffeestopp durch die atemberaubende Landschaft Marokkos nach Merzouga, wo uns Rena, ihr Team und unsere Mitreiter, die schon die erste Woche des Tafilalelt Rittes gemacht hatten, schon erwarteten. Wir wurden mit einem reichhaltigen Mittagessen neben den Pferden begrüßt. Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, ging es in die Dünen der Erg Chebbi um den Sonnenuntergang von den Dünen aus zu betrachten. Beim Abendessen wurde die Pferdeeinteilung für den nächsten Tag bekannt gegeben. Im Verlauf der Woche habe wir jeden Abend besprochen wer am nächsten Tag gerne welches Pferd reiten würde, sodass man recht viele der Araber-Berber Pferde ausprobieren konnte, wenn man wollte.

Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es zu den Pferden, die uns von den Pferdepflegern hergerichtet worden waren. Das Picknick wurde in den Satteltaschen verstaut und dann ging es auch schon los in Richtung des ausgetrockneten Sees. Mein Pferd für den heutigen Tag hieß Dalia. Eine 5-jährige Stute. Ein wunderbares, lauffreudiges Pferd das sich hervorragend kontrollieren ließ auch wenn die frei mitlaufenden Stuten von hinten angaloppiert kamen. Es wird viel und lang galoppiert. Eine Reitstrecke von rund 40km pro Tag ist “Standard”. Man hat extrem viel Platz, so dass sich die Gruppe breit auffächern kann. Man muss nicht hinter jemandem galoppieren, sondern kann und soll sich seinen eigenen Weg suchen, wenn ausreichend Platz ist. 3 Stunden lang sind wir durch die schier endlosen Ebenen Marokkos zum Brunnen geritten, an dem unsere Mittagsrast stattfindet. Nach dem Picknick aus den Satteltaschen und einer Stunde Ruhepause ging es noch einmal 2 Stunden weiter, bevor wir unser Abendcamp an einer Sanddüne mitten im Nirgendwo erreichten. Wir bezogen unsere Einpersonenzelte und gingen zum Waschen mit einer Schüssel warmen Wassers ins Duschzelt, bevor die Sonne unterging und wir ein traditionelles marokkanisches Abendessen serviert bekamen.

Von der aufgehenden Sonne geweckt und gestärkt von einem leckeren Frühstück, schwang ich mich um halb 9 des dritten Tages in den Sattel von Samra, einer schwarzbraunen Stute, dem wohl nettesten Pferd, das ich je getroffen habe. Heute stand der mit 54km streckenmäßig längste Reittag der Woche an. 4,5 Stunden sind wir am Morgen geritten. Haben einen Fluss durchquert wobei die Pferde zeigen, dass sie auch kein Wasser scheuen, sind in die niedrigen Berge hinaufgeritten und hinunter gelaufen und über eine gigantische weiße Ebene zum Brunnen galoppiert. Nachdem die Pferde getränkt waren ritten wir noch eine halbe Stunde zum Picknickplatz, der aus drei einzelnen Bäumen bestand. Die beiden Hengste bekamen jeder einen Baum und die 8 Stuten wurden zusammen am größten festgebunden. Am Nachmittag ritten wir noch einmal 2 Stunden mit langen, flotten Galopps über schwarze Ebenen zum Abendcamp das wir mit dem Sonnenuntergang erreichten. Ein toller, aber sehr anstrengender Reittag mit besonderer Stimmung geht zuende.

Der Mittwoch war “normaler” Reittag von circa 5 Stunden und rund 40km Strecke. Mein Pferd des heutigen Tages trug den Namen Bellaura und ist das wohl tempramentvollste Pferd der Gruppe. Immer ganz vorne mit dabei besonders in Galopp, aber trotzdem ein Pferd auf dem man sich rundum wohlfühlen kann. Heute kamen wir durch verschiedene kleine Dörfer, begegneten Kamelen und suchten nach Fossilien. Nach einer Mittagspause in den Dünen ritten wir in der zunehmend heißer werdenden Mittagssonne weiter und suchten einen Brunnen. Dieser war leider nicht zugänglich. Aber hier zeigte sich die Freundlichkeit der marokkanischen Bevölkerung – wir wurden ins Dorf eingeladen und den Pferden wurde Leitungswasser von den Dorfbewohnern zur Verfügung gestellt. Auf verschlungenen Pfaden durch Oasen und vorbei an alten Dorfruinen erreichten wir unser Abendcamp das dieses Mal in einer Oase lokalisiert war.

Der vierte Reittag war der zeitlich längste. 4 Stunden ritten wir am Morgen über steinige Ebenen und kleine Berge. Die großen Steine erlaubten lediglich Schritt und gelegentlich etwas Trab auf schmalen Nomadenpfaden. Die Landschaft an diesem Tag war atemberaubend. Zum Mittag hatten wir dieses mal kein Picknick, sondern trafen auf die Crew mit den Autos und dem LKW und erhielten ein warmes Mittagessen, bevor es am Nachmittag in die Berge ging. Eine Klettertour zu Pferd den steinigen Berghang hinauf. Oben hieß es Absteigen und den circa 1 – 1,5 stündigen Abstieg über die Felsen zu Fuß bewältigen. Die Pferde haben mich mit ihrer Trittsicherheit und Gelassenheit auf dem extrem schwierigen Gelände über große Steine und teilweise recht steile Engstellen enorm beeindruckt! Sie zeigten sowohl hinauf als auch hinab keinerlei Unsicherheit. Zu jedem Zeitpunkt kann man sich auf Renas Pferde verlassen. Unten angekommen ritten wir weiter über die steinigen Ebenen bis wir nach circa 4,5 Stunden am Nachmittag erschöpft aber zufrieden das Abendcamp erreichten.

Die folgende Nacht war die wohl unangenehmste Nacht. Es war extrem windig mit Windgeschwindigkeiten bis 65km/h und dadurch sehr kalt. Die Zelt hielten dem Wind stand, aber wir waren am nächsten Morgen alle heilfroh aufstehen und uns an einem Tee oder Kaffee wärmen zu können. Ich empfehle jedem für diese Reisen für alle Fälle einen Schlafsack mit einer Komforttemperatur von 0°C! In unseren dicksten Jacken ritten wir, im zum Glück etwas abgeflauten Wind, los in Richtung Tinghir. Die Mittagspause fand heute in einem wunderschönen Palmenhain statt. Nach einem recht kurzen Nachmittagsritt durch Oasen und Dörfer erreichten wir Tinghir wo wir für den Abend in einem wunderbaren Hotel untergebracht waren. Nach 5 Tagen vollkommener Abgeschiedenheit hatten wir wieder die “Zivilisation” erreicht. Für 3 unserer Mitreiter hieß es Abschied nehmen von den Pferden und dem Großteil der Crew, die mit dem LKW an den Ausgangpunkt für den Sanddünenritt gefahren wurden. Wir genossen an diesem Abend den Komfort einer richtigen Dusche und ein hervorragendes Abendessen.

Am nächsten Morgen besuchten wir auf der Rückfahrt nach Ouarzazate noch die beeindruckende Todra Schlucht und nahmen am Abend Abschied von unseren Mitreitern die nach Hause flogen.

Ich selbst und 3 weitere Mitreiter blieben noch eine weitere Woche und nahmen am Sanddünenritt teil. Wir verbrachten den Sonntag damit Ouarzazate auf eigene Faust zu erkunden. Eine wunderschöne Stadt in der man sich wunderbar den Tag vertreiben kann! Am Abend lernten wir dann unseren neuen Mitreiter kennen. In dieser Woche hatten wir zwei Nichtreiter dabei, die ihre Tage mit Renas Team verbracht haben und Marokko in einem “Roadtrip” mit den Autos erkundet haben.

Sanddünenritt

Der Sanddünenritt startet mit einem (Kaffepause mit einbegriffen) 5-stündigen Transfer nach Erfoud. Dort wurden wir von Renas Team bereits mit einem reichhaltigen Mittagessen erwartet. Im Schatten der Bäume warteten wir die größte Mittagshitze ab und besprachen die Pferdeeinteilung für den heutigen Tag. Ich bekam mit Bellaura eines der gehfreudigsten Pferde der Gruppe. Die Pferde waren nach 2 freien Tagen gut ausgeruht und entsprechend hatten die ersten Gallopps eine ordentliche Dynamik. Trotzdem blieben die Pferde gut kontrollierbar. Unser Weg führte uns durch die Sandgärten und durch Farmen hindurch zu unserem Abendcamp. Da wir etwas schneller waren als geplant, haben wir an diesem Abend beim Aufbauen der Zelte und dem Versorgen der Pferde geholfen und anschließend das hervorragende Abendessen am Lagerfreuer um so mehr genossen.

In der Nacht frischte der Wind wieder auf, so dass der Morgenritt des 2. Reittages extrem windig war. Es ging über endlose weite Ebenen, über die der Wind so hinweg fegte, dass man teilweise kaum 30 Meter weit sah. Ein Erlebnis! Unsere Mittagspause verbrachten wir im Schatten des quer zur Windrichtung gestellten LKWs und lernten an diesem Tag endgültig wie Sand schmeckt. Trotzdem war das Essen hervorragend. Der kurze Nachmittagsritt führte uns mit schnellen Galloppaden über die schwarzen Ebenen zur Erg Chebbi. Der Anblick der roten Dünen, die sich über der schwarzen Ebene erheben ist absolut beeindruckend. Beeindruckend war für mich auch der Kamelritt zum Nomadencamp mitten in der Sandwüste am Abend. Eine Stunde lang “schwankten” wir, getragen von den Kamelen, in der untergehenden Sonne dem Beduinencamp entgegen. Ein genauso unvergessliches Erlebnis, wie der Sonnenaufgang mitten in der Wüste am nächsten Morgen!

Nach dem Rückritt mit den Kamelen, einer Dusche und einem ausgiebigen Frühstück in der Auberge Erg Chebbi ging es an diesem Mittwoch gegen 11 Uhr wieder auf die Pferde. Heute durchquerten wir die Randausläufer der Erg Chebbi zu Pferde. Es ist fazinierend wie gut die Pferde auch im tiefen Sand zurechtkommen und die Dünen hinauf und hinunter “klettern”. Auf der Rückseite der Erg Chebbi, in Sichtweite zur algerischen Grenze, führten uns lange Galloppaden zu unserem Mittagsbaum, an dem wir die Pferde anbinden konnten und im Schatten picknickten und uns ein wenig ausruhten. Anschließend ritten wir wieder durch die Erg Chebbi zurück, sodass wir einmal eine Runde um die große Sandwüste herum geritten waren. Unser heutiges Abendcamp lag auf dem ausgetrockneten Zeitsee.

Am nächsten Tag ritten wir vom Zeitsee aus in Richtung Rissani. Unsere Mittagspause verbrachten wir in einem Palmenhain und ritten am Mittag dann auf engen Pfaden durch die Oasen nach Rissani, wo die Pferde ihre Nacht im Hinterhof des Hotels verbrachten. Wir brachen, nach kurzen Einrichten in den Zimmern, auf zur Besichtigung der Stadt Rissani und dem Souk von Rissani, der sich von dem in Ouarzazate doch deutlich unterscheidet.

Der Ritt am nächsten Morgen führte uns mit schnellen Galloppaden über die weisen Ebenen zurück zum Ausgangspunkt des Sanddünenrittes. Dort hatten wir unsere Mittagspause, ehe wir weiter in eine Oase ritten, wo die Pferde die komplette folgende Woche verbringen würden. An diesem Nachmittag wollten nicht alle mitreiten, so dass wir im Endeffekt nur 5 Reiter waren und 5 freie Pferde dabei hatten. Hier hat sich für mich wieder einmal die gute Erziehung der Pferde bemerkbar gemacht. Ich ritt an diesem Nachmittag Raid, einen braunen Hengst. Trotz 5 freier Stuten und 2 anderen Hengsten in der Gruppe konnte ich mich entspannen und den Ritt vollkommen genießen! Diese Nacht war meine letzte Nacht im Camp. Aber was für eine! Die Pferde waren keine 10 Meter von den Zelten entfernt im Schatten der große Palmen angebunden, jedes Mal wenn man aus dem Zelt schaute konnte man die Pferde sehen. Eine traumhafte Kulisse!

Der letzte Reittag war der einzige Rundritt in den zwei Wochen Marokko. 4 Stunden haben wir am morgen, nach einem frühen Frühstück, damit verbracht zu den 3 großen Monumenten zu reiten und diese anzuschauen. Als erstes führte uns unser Ritt zur Himmelstreppe. Eine 20 Meter hohe Treppe mitten in der Wüste. An der Orionstadt trafen wir dann auf unsere Nichtreiter, die mit Mohammed und dem Pickup in die Wüste gefahren waren um die Monumente ebenfalls zu besichtigen. Sie fuhren uns vorraus zur goldenen Spirale. Nach der Rückkehr ins Camp und einem letzten Mittagsessen, hieß es Abschied nehmen von den Pferden und der Crew, bevor es mit dem Auto zurück nach Ouarzazate ging. Wir ließen uns ein letztes Abendessen im Hotel schmecken bevor wir am nächsten Morgen zur Heimreise aufbrachen.

Für mich ist mit der Reise nach Marokko ein Traum wahr geworden. Der Traum von der Wüste. Ich habe gelernt, dass das alte arabische Sprichwort “Die Wüste hält die Seele gefangen, auch noch drei Tage nach dem man sie verlassen hat” zutreffend ist. Ich konnte mich in der Stille und Einsamkeit der Wüste vollkommen entspannen. Die Landschaft ist atemberaubend, die Pferde und das ganze Team ein Traum und auch die einfache Art der Unterbringung in den Zelten ohne Strom oder fließendes Wasser passt vollkommen ins Bild dieser Reittour. Es gibt ausreichend Hotelnächte, so dass man nichts vermissen muss, aber für mich waren die Nächte im Zelt die schönste Unterbringung die ich mir hätte vorstellen können. Direkt unter dem Sternenhimmel zu schlafen, morgens von der aufgehenden Sonne geweckt zu werden und mit einer Tasse Tee in der Hand der Wüste beim Erwachen zuzuschauen, hat mir ein Gefühl von tiefer Zufriedenheit verliehen.

Hier geht´s nach Marokko